Aus der Distanz erzählt

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bartie Avatar

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Eine Familiengeschichte, die sich über vier Generationen erstreckt, erzählt Miriam Carbe in ihrem Debütroman „Unerwünschte Töchter“. Die Protagonistinnen ihres Romans sind Frauen ihrer eigenen Familie: die Urgroßmutter Margarethe, die Großmutter Marianne und Monika, die Mutter der Autorin.

Die Geschichte wurde chronologisch erzählt und beginnt mit der Kindheit von Margarethe und dem bürgerlichen Leben in einer Dresdner Villa. Es war ein Leben im Wohlstand, gefüllt mit Werken von Goethe, Musik und Klavierspielen. Als Margarethe auf den Druck ihrer Eltern auf die Heirat mit dem Juden Goldmann verzichtete, dürfte sie als Belohnung eine Ausbildung zur Fröbelianerin machen.

Nach und nach wurden die Lebenswege der weiteren Generationen geschildert; das ereignisreiche Jahrhundert mit den zwei Weltkriegen hat ihre Schicksale stark beeinflusst. Für die Frauen der Familie bedeutete es den Verlust von Männern, die in beiden Kriegen gefallen sind, den sozialen Abstieg, die ständige Suche nach dem neuen Platz im Leben. Sowohl Marianne, wie auch ihre Tochter Monika wurden zu alleinerziehenden Frauen; Monikas Vater Alfred Carbe, ein Wehrmachtsoffizier, ist in den letzten Tagen des Krieges gefallen. Der nigerianische Vater von Miriam hat ihre Mutter verlassen.

Ich fand vor allem den historischen Hintergrund des Romans sehr interessant: zuerst das gutbürgerliche Leben der wohlhabenden Familie, in der man großen Wert auf Ordnung, Fleiß und Stabilität legte. Und wie sich dann, im Laufe des ereignisreichen Jahrhunderts, das Leben der deutschen Familie veränderte, und gleichzeitig auch einige der gelebten bürgerlichen Werte.

Insgesamt entstand ein eindrucksvoller Familienporträt, das nüchtern und distanziert skizziert wurde. Ich fand die im Roman erzählte Geschichte an einigen Stellen zu ausschweifend, langatmig erzählt; statt zum Beispiel der seitenlangen Beschreibungen der Jugendschwärmereien hätte ich gerne hinter die Fassaden der so stolzen Frauen schauen können, mit ihnen fühlen und denken können. So sind mir die Protagonistinnen, trotz aller Hürden, die sie überwinden mussten, kühl und unnahbar geblieben.

Fazit: ein interessanter Roman, den ich mit 4 Sternen bewerte.