Bewegende Familiengeschichte

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timphilipp Avatar

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Beruhend auf einem wahren Fundus von Tagebuchaufzeichnungen liefert die Autorin eine bewegende autobiografische Familiengeschichte ab, die vor allem von ihren weiblichen Vorfahren handelt, von der Urgroßmutter über Großmutter und Mutter bis zu ihr selbst. Sie umspannt einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren, beginnend vor dem Beginn des Ersten Weltkriegs über den Zweiten Weltkrieg und die Anfänge der ehemaligen DDR sowie den Neubeginn der Familie im Westen bis hin in die 2020er Jahre, in denen die inzwischen über 50jährige Autorin das Buch niederschreibt. Es sind Frauen ihrer jeweiligen Zeit, deren Leben von den großen historischen Umbrüchen in diesen 100 Jahren geprägt werden. Gemeinsam ist den Frauen Vieles. Das fängt noch harmlos beim ersten Buchstaben ihrer Vornamen an. Exemplarisch sind weiterhin ihre Rollen als allein erziehende Mütter (wenngleich aus unterschiedlichen Gründen), ihr komplettes Aufgehen in schöngeistiger Literatur und Kunst, ihr Hang zur Bestrafung ihrer Kinder mit vehementem Anschweigen und – am furchtbarsten – ihr Rassismus und Antisemitismus. Die gesellschaftlichen und politischen Probleme der jeweiligen Zeit werden gekonnt in die Geschichte eingebunden. Der Schreibstil ist wunderbar. Goethe-Fans werden viele Zitate finden, denn die Urgroßmutter war eine große Verehrerin. Wie ein roter Faden zieht sich durch das Buch ein Bücherschrank. Ihn hat die Urgroßmutter anfertigen lassen und er folgte im Laufe der Zeit jeder Station der Frauen, bis die Autorin in ihm die Tagebücher fand.
Das Buch bekommt von mir eine klare Leseempfehlung.