Die mütterliche Linie - Matrilineare Familienbande von den Kaiserzeit bis zur Gegenwart
Miriam Carbe und ich wurden im gleichen Jahr geboren. Was uns unterscheidet ist die Tatsache, dass ihre weiblichen Vorfahrinnen ihr Tagebücher hinterlassen haben, die es ihr ermöglicht haben, einen bewegenden Roman über vier Frauengenerationen zu schreiben. Carbes Ahninnen stammen aus dem Großbürgertum, während meine Vorfahrerinnen Marktfrauen, Hausmädchen und Tagelöhnerinnen waren. Und dennoch gibt es zahlreiche Parallelen in der Familiengeschichte. Denn Carbe ist es gelungen, einen Roman zu schreiben, der ein Spiegelbild der deutschen Gesellschaft seit der Kaiserzeit darstellt.
Doch bleiben wir bei Carbe. Ihre Urgroßmutter Margarethe ist die erste Tagebuchschreiberin. Mit ihr erleben wir den Niedergang einer großbürgerlichen Familie (wenn man das kaiserzeitliche hierarchische Gesellschaftssystem zugrunde legt) ebenso wie die Werte und Moralvorstellungen der damaligen Epoche. Auch die folgenden Zeitperioden sind erfüllt von gesellschaftlichen Normen, welche keine der Frauen erfüllen kann, egal ob es sich um die Weimarer Republik, das Dritte Reich, die frühe DDR oder die Bundesrepublik der 60er Jahre handelt. Keine der Frauen war wirklich erwünscht, sei es dass sie das falsche Geschlecht hatte, unehelich gezeugt wurde oder die falsche Hautfarbe hatte. Und dennoch sind es die Frauen, die das oft entbehrungsreiche Leben stemmen und ihre Vorstellungen und Gedanken dazu noch niedergeschrieben haben. Genau darin liegt die Stärke und Anziehungskraft des Buches. Carbe zensiert nicht, sie vermittelt ungefiltert, wie ihre Urgroßmutter, Großmutter und Mutter gedacht haben. Das beinhaltet oft aus heutiger Sicht erschreckende Aussagen, gerade wenn es um Vorurteile, Antisemitismus, Rassismus, die Haltung zum nationalsozialistischen Führerstaat und ähnliche Themen geht. Sie bewertet nicht, sie gibt wieder, und erzeugt dadurch ein hohes Maß an Authentizität. Auch wenn vieles davon für sie schmerzhaft gewesen sein muss, verurteilt sie keine der Frauen, von denen sie abstammt. Und dabei haben diese Themen und Ansichten sie unweigerlich geprägt, genauso wie die Tabuthemen der verschiedenen Generationen. Carbe betreibt keine Schönfärberei, benennt aber auch nur das, was die Vormütter zu Papier gebracht haben. Darin liegt aus meiner Sicht eine unglaubliche Leistung. Mich hat dieses Buch ungemein bewegt und ich kann es nur empfehlen, um eine weibliche Geschichtstradierung zu beleben. Gerade das Nicht-Bewerten finde ich herausragend, auch wenn dadurch weitgehend die Perspektive von Miriam Carbe selbst ausgespart bleibt.
Ein großartiges Buch, ein deutsches Sittengemälde, eine Geschichte aus Frauensicht.
Doch bleiben wir bei Carbe. Ihre Urgroßmutter Margarethe ist die erste Tagebuchschreiberin. Mit ihr erleben wir den Niedergang einer großbürgerlichen Familie (wenn man das kaiserzeitliche hierarchische Gesellschaftssystem zugrunde legt) ebenso wie die Werte und Moralvorstellungen der damaligen Epoche. Auch die folgenden Zeitperioden sind erfüllt von gesellschaftlichen Normen, welche keine der Frauen erfüllen kann, egal ob es sich um die Weimarer Republik, das Dritte Reich, die frühe DDR oder die Bundesrepublik der 60er Jahre handelt. Keine der Frauen war wirklich erwünscht, sei es dass sie das falsche Geschlecht hatte, unehelich gezeugt wurde oder die falsche Hautfarbe hatte. Und dennoch sind es die Frauen, die das oft entbehrungsreiche Leben stemmen und ihre Vorstellungen und Gedanken dazu noch niedergeschrieben haben. Genau darin liegt die Stärke und Anziehungskraft des Buches. Carbe zensiert nicht, sie vermittelt ungefiltert, wie ihre Urgroßmutter, Großmutter und Mutter gedacht haben. Das beinhaltet oft aus heutiger Sicht erschreckende Aussagen, gerade wenn es um Vorurteile, Antisemitismus, Rassismus, die Haltung zum nationalsozialistischen Führerstaat und ähnliche Themen geht. Sie bewertet nicht, sie gibt wieder, und erzeugt dadurch ein hohes Maß an Authentizität. Auch wenn vieles davon für sie schmerzhaft gewesen sein muss, verurteilt sie keine der Frauen, von denen sie abstammt. Und dabei haben diese Themen und Ansichten sie unweigerlich geprägt, genauso wie die Tabuthemen der verschiedenen Generationen. Carbe betreibt keine Schönfärberei, benennt aber auch nur das, was die Vormütter zu Papier gebracht haben. Darin liegt aus meiner Sicht eine unglaubliche Leistung. Mich hat dieses Buch ungemein bewegt und ich kann es nur empfehlen, um eine weibliche Geschichtstradierung zu beleben. Gerade das Nicht-Bewerten finde ich herausragend, auch wenn dadurch weitgehend die Perspektive von Miriam Carbe selbst ausgespart bleibt.
Ein großartiges Buch, ein deutsches Sittengemälde, eine Geschichte aus Frauensicht.