Die Tagebücher der Frauen

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clara_fall Avatar

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Miriam Carbe erlaubt uns einen Blick in die Tagebücher der Frauen ihrer Familie. Aufzeichnungen über gelebtes Leben aus über 100 Jahren - besser kann ein geschichtlicher Abriss über den Platz der Frau in der Gesellschaft über einen längeren Zeitraum nicht vor dem geistigen Auge des Lesers vorüberziehen. Jede der Frauen möchte ihren zugedachten Platz in der Familie einnehmen. Gleichzeitig ist es der Wunsch nach Unabhängigkeit, der diesen Platz ins Wanken bringt, zu Enttäuschungen führt, dessen Muster sich jedoch von Generation zu Generation wiederholt.
Diesen ewigen Kampf der Frau seit Menschengedenken kann die Autorin durch ihre Verfügbarkeit der Tagebücher von Urgroßmutter, Großmutter und Mutter zusammen mit ihren eigenen Erlebnissen in diesem Buch sehr persönlich darlegen. Jede der Frauen muss mit dem jeweiligen Zeitgeist zurechtkommen. Die Fehltritte der einen Frau wiederholen sich bei deren Tochter, werden ähnlich geahndet und trotzdem ist es immer wieder die unerschütterliche Liebe einer Mutter, die alles zusammenhält.
Viele geschichtliche Details berühren und erschüttern beim Lesen - die blinde Bewunderung des Nationalsozialismus, der Rassismus der 60/70er Jahre in Deutschland, Fehldiagnosen auf dem Gebiet der Psychologie ... die Autorin streift ein weites Spektrum. Besonders ihre eigenen Erfahrungen im Umgang mit den Frauen der Familie und deren Tagebuchaufzeichnungen über ihre Gedanken zu einem schwarzen Enkelkind in der Familie sind sehr ergreifend.
Ein sehr breit aufgestelltes Werk, nicht zu dicht, aber auch nicht langatmig - es hat mir sehr gut gefallen und ich kann es allen empfehlen, die gern authentische Bücher über Frauen und deren Platz in der Geschichte lesen. Titel und Cover passen sehr gut dazu.