Ein sehr persönlicher Roman über starke Frauen-Generationen
Der Roman erzählt die Geschichte von vier Frauengenerationen einer Familie – Margarethe, Marianne, Monika und Miriam selbst –, die vom Bildungsbürgertum Dresdens Ende des 19. Jahrhunderts bis nahe an die Gegenwart reicht. Grundlage sind hunderte Tagebücher und Notizen, die Carbe von Mutter, Großmutter und Urgroßmutter geerbt hat und fiktionale Elemente und Personen hinzugefügt hat.
Der Aufbau des Romans und das Thema - Frauen mehrerer Mütter-Töchter-Gernerationen ist nicht neu und erlebt gerade einen regelrechten Boom, aber Carbes Geschichte hat einen besonderen Blickwinkel. Anders als viele Romane über und um den Zweiten Weltkrieg, die sich auf Widerstand, Front oder anderweitig herausragend involvierte Figuren konzentrieren, rückt Carbe ganz normale, „mitlaufende“ Menschen in den Mittelpunkt – Menschen, die mit ihrem Alltag beschäftigt sind und mehr auf die Meinung der Nachbarn achten als auf das große politische Geschehen. Genau diese unaufgeregte, alltagsnahe Perspektive macht den Roman besonders und unterscheidet ihn von der Masse ähnlicher Familiensagas. Besonders bemerkenswert ist, dass Carbe ihre eigenen (Ur-)Großeltern weder beschönigt noch verurteilt, sondern sie mit all ihrer Ambivalenz stehen lässt. Die Autorin folgt konsequent der Perspektive der jeweiligen Frau, ohne sentimental zu werten. Der stete soziale Abstieg der Familie über die Generationen hinweg zieht sich dabei deutlich durch die Handlung, ebenso wie die erschwerten Bedingungen für Deutsche, sich nach dem Krieg etwa in Dänemark niederzulassen. Szenen wie die, in der die vierjährige Monika von ihrer Mutter Marianne für drei Tage bei fremden Großeltern “abgeladen” wird, wirken aus heutiger Sicht befremdlich – wobei der Roman auch vermittelt, dass ein solcher Umgang mit Kindern in dieser Zeit keineswegs unüblich war. Der Roman steckt voller historischer und familiärer Verweise, die man kaum vollständig erfassen kann; gleichzeitig drängen sich diese Themen nicht so auf, dass man sich zwingend mit allem auseinandersetzen müsste – die Geschichte funktioniert auch, wenn man manches nur an sich vorbeiziehen lässt. Zwischen den erzählenden Kapiteln setzt Carbe immer wieder Ich-Passagen ein, in denen sie das Erzählte einordnet und mit echten Tagebuchauszügen belegt. Die kurzen Kapitel in der Ich-Form, in denen Carbe einen Zeitsprung zu ihrer eigenen Vergangenheit macht, haben mich allerdings oft etwas irritiert und ich musste immer wieder “sortieren“ - der erzählerische Mehrwert war nicht wirklich erkennbar.
Insgesamt hinterlässt der Roman den Eindruck eines sehr persönlichen Familienromans, ohne dabei belehrend zu wirken. Ich habe ihn gern gelesen und mich haben insbesondere die Geschichte um Miriams Mutter Monika beeindruckt und auch wieder nachdenklich gemacht.
Der Aufbau des Romans und das Thema - Frauen mehrerer Mütter-Töchter-Gernerationen ist nicht neu und erlebt gerade einen regelrechten Boom, aber Carbes Geschichte hat einen besonderen Blickwinkel. Anders als viele Romane über und um den Zweiten Weltkrieg, die sich auf Widerstand, Front oder anderweitig herausragend involvierte Figuren konzentrieren, rückt Carbe ganz normale, „mitlaufende“ Menschen in den Mittelpunkt – Menschen, die mit ihrem Alltag beschäftigt sind und mehr auf die Meinung der Nachbarn achten als auf das große politische Geschehen. Genau diese unaufgeregte, alltagsnahe Perspektive macht den Roman besonders und unterscheidet ihn von der Masse ähnlicher Familiensagas. Besonders bemerkenswert ist, dass Carbe ihre eigenen (Ur-)Großeltern weder beschönigt noch verurteilt, sondern sie mit all ihrer Ambivalenz stehen lässt. Die Autorin folgt konsequent der Perspektive der jeweiligen Frau, ohne sentimental zu werten. Der stete soziale Abstieg der Familie über die Generationen hinweg zieht sich dabei deutlich durch die Handlung, ebenso wie die erschwerten Bedingungen für Deutsche, sich nach dem Krieg etwa in Dänemark niederzulassen. Szenen wie die, in der die vierjährige Monika von ihrer Mutter Marianne für drei Tage bei fremden Großeltern “abgeladen” wird, wirken aus heutiger Sicht befremdlich – wobei der Roman auch vermittelt, dass ein solcher Umgang mit Kindern in dieser Zeit keineswegs unüblich war. Der Roman steckt voller historischer und familiärer Verweise, die man kaum vollständig erfassen kann; gleichzeitig drängen sich diese Themen nicht so auf, dass man sich zwingend mit allem auseinandersetzen müsste – die Geschichte funktioniert auch, wenn man manches nur an sich vorbeiziehen lässt. Zwischen den erzählenden Kapiteln setzt Carbe immer wieder Ich-Passagen ein, in denen sie das Erzählte einordnet und mit echten Tagebuchauszügen belegt. Die kurzen Kapitel in der Ich-Form, in denen Carbe einen Zeitsprung zu ihrer eigenen Vergangenheit macht, haben mich allerdings oft etwas irritiert und ich musste immer wieder “sortieren“ - der erzählerische Mehrwert war nicht wirklich erkennbar.
Insgesamt hinterlässt der Roman den Eindruck eines sehr persönlichen Familienromans, ohne dabei belehrend zu wirken. Ich habe ihn gern gelesen und mich haben insbesondere die Geschichte um Miriams Mutter Monika beeindruckt und auch wieder nachdenklich gemacht.