Familiäres Zeitdokument

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gabriele 60 Avatar

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Miriam Carbe hat in dem von ihren Vorfahren geerbten Schrank Tagebücher gefunden, mit deren Hilfe sie die Geschichten ihrer Urgroßmutter, Großmutter, Mutter und einen kleinen Teil ihrer eigenen rekonstruiert. So zeichnet sie die gesellschaftlichen und politischen Veränderungen eines Jahrhunderts auf.
Um nicht nur die Vergangenheit zu würdigen, hat sie Kapitel mit ihrer eigen Sichtweise dazwischen geschoben. Leider hat das für mich aber nicht zur Klarheit beigetragen, sondern mich eher verwirrt. Ich wollte dieses Buch lesen, weil ich es interessant fand, vier Generationen von Frauen in ihrer jeweiligen Zeit kennen zu lernen. Erfahren habe ich, wie Margarethe aus gutem Hause nach dem dem Tod ihres im ersten Weltkrieg gefallenen Mannes Dresden verlassen musste, um mit dessen Bruder ein eigenes Leben aufzubauen. Ich hatte das Gefühl, dass damit der finanzielle Abstieg Margarethes begann, unter dem sie sehr litt. Einzig die Literatur blieb ihr erhalten und die Liebe dazu gab sie an die Nachfolger weiter. Auch deren Leben war nicht einfach, kamen doch die Hitlerzeit, ein weiterer Krieg und die Übersiedelung aus der DDR nach Westen dazwischen. So wurde in diesem Buch ein ganzes Jahrhundert deutscher Geschichte lebendig, was ich sehr interessant fand.
Doch der Schreibstil hat mir über weite Strecken die Freude am Lesen genommen. Viel indirekte Rede in verquasten Schachtelsätzen machten manche Abschnitte fast unlesbar. Da wurden keine Gefühle transportiert und ließen das Geschriebene langweilig erscheinen. Erst in den letzten Kapiteln konnte mich die Autorin erobern. Da stand Monika, die Mutter der Autorin im Mittelpunkt und ich konnte mich ein wenig in sie hineindenken. Vielleicht, weil sie mir vom Alter her näher stand?
Fazit: Die Autorin hat sich für ihr Debüt zu viel vorgenommen, Sie verliert sich in der Fülle der ihr vorliegenden Aufzeichnungen. Ich kann mir vorstellen, dass es besser gewesen wäre, wenn sie sich auf eine Person konzentriert und die greifbar dargestellt hätte.