Familiengeschichte und zugleich Zeitgeschichte
Vier Frauen, vier Generationen: Margarethe, Marianne, Monika und Miriam, und ein Roman über mehr als 100 Jahre Zeitgeschichte in Deutschland.
Die Geschichte beginnt vor dem 1. Weltkrieg in Dresden. Margarethe wächst in privilegierten Verhältnissen in einer Villa auf. Sie ist etwas unangepasst und wild und als ihr jüngerer Bruder auf die Welt kommt, wird sie ermahnt: Sie bräuchte sich nun nicht mehr wie ein Junge benehmen, sie hätten jetzt einen "echten" Jungen. Also geht Margarethe zu Debütantinnenbällen und sucht nach einem Heiratskandidaten. Doch im Gegensatz zu ihren jüngeren Schwestern tut sich sich schwer, den Richtigen zu finden. Irgendwann heiratet sie doch, aber der Richtige ist es eher nicht. Aber dann kommt der Krieg und Margarethe ist alleine mit ihren zwei Kindern. Sie wird Ihren privilegierten Status verlieren, neu heiraten und einiges Einstecken müssen... sie hatte eben Pech mit ihren Ehemännern.... sagen die Schwestern, die in begüterte Verhältnisse nach Dänemark geheiratet haben. Auf die Idee, dass Frauen sich selbst ihren Lebensunterhalt verdienen könnten und, dass es eventuell eine gute Idee gewesen wäre, Margarethe studieren zu lassen, statt dies für den eher dann doch nicht geeigneten Bruder zu planen, kommt keiner. Margarethe darf immerhin eine Erzieherinnen Ausbildung absolvieren, aber nur, weil ihre Eltern ihre Heirat mit einem jüdischen Bewerber abgelehnt haben...
Das Leben von Frauen war eben durch den Mann definiert. Das merkt auch Marianne, die Tochter von Margarethe. Auch sie lernt viele Männer kennen, findet aber auch nicht den Richtigen. Bemüht sich aber auch nur so halb, sich selbst eine Existenz aufzubauen. Aber die Nazizeit und der 2. Weltkrieg wirken sich aus und der Vater ihrer Tochter Monika bleibt im Krieg. Nach dem Krieg und der sowjetischen Besatzung zieht es die Frauen-Familie in den Westen. Alle Privilegien sind schon lange Geschichte, doch Bildung und Literatur waren immer wichtig. Und so wird Monika studieren und von einem afrikanischen Studenten schwanger werden. Doch Rassismus und Vorurteile richten sich gegen die Schwangerschaft. Und wahrscheinlich alte Wunder, denn manche der Frauen waren eher unerwünscht: Margarethe kam schon drei Monate nach der Hochzeit ihrer Eltern auf die Welt und der Vater hat die Mutter immer wieder betrogen. Monika kam ungeplant und am Ende des Krieges auf die Welt, ihr Vater wollte auch kein Kind. Und so ist es auch bei Miriam, der Urenkelin, die heute die Autorin dieses Romans ist.
Es handelt sich um eine umfangreiche Geschichte, mehr als 500 Seiten, in denen zwar viel passiert, es jedoch auch ein paar Längen gibt, denn für mich hatte (die m.E. relativ uninteressante und oberflächliche) Marianne fast zu viel Raum und Monika und Miriam vielleicht zu wenig... Andererseits wurde gerade am Beispiel von Marianne sehr subtil dargestellt, wie wenig reflektiert viele Menschen in der Nazizeit waren. Auf Bildung wurde zwar Wert gelegt, jedoch nicht auf kritisches Hinterfragen, auf Analysen und eigene Gedanken, kein Wunder, dass Marianne beim Malunterricht quasi scheitert, obwohl sie sehr begabt ist. Es reicht aber immerhin später für eine Existenz als Postkartengestalterin. Die Geschichte von Monika ist teilweise sehr tragisch und erst Miriam wird sich der Familiengeschichte stellen und Dinge aufarbeiten.
Der Erzählfluss in der Vergangenheit ist fiktiv und basiert lediglich auf Tagebucheinträgen der jeweiligen Frauen. Zwischendrin meldet sich die Autorin in der Ich-Form und erzählt von ihrer eigenen Sicht und von eigenen Erlebnissen, dies bildet eine willkommene Unterbrechung der Erzählung und gibt neue Einblicke, die die Geschehnisse besser einordnen.
Sehr gut gefallen hat mir das Symbol des Bücherschranks, den Margarethe bauen lässt und der alle Wirrnisse übersteht und später im Arbeitszimmer von Miriam nicht nur Klassiker der Literatur, sondern auch die Tagebücher von Margarethe, Marianne und Monika beherbergt.
Insgesamt habe ich diesen Roman sehr gerne gelesen. Nachdem ich am Anfang wegen des erzählenden Stils ein wenig skeptisch war, ob ich das mehr als 500 Seiten aushalte, war ich nach ungefähr 60 Seiten voll drin in der Geschichte und neugierig, wie sich alles entwickelt. Natürlich ist es kein Wohlfühlroman, dafür sind viele Geschehnisse einfach zu grausam. Aber so war die deutsche Geschichte in den letzten 100 Jahren. Und zwischendurch lockert die Autorin die Atmosphäre durch Beschreibungen von schönen kleinen Erlebnissen, von familiärem Zusammenhalt, trotz aller Differenzen und von zeitgeschichtlichen Erzählungen, die die Stimmungen der Epochen sehr gut verdeutlichen.
Die Geschichte beginnt vor dem 1. Weltkrieg in Dresden. Margarethe wächst in privilegierten Verhältnissen in einer Villa auf. Sie ist etwas unangepasst und wild und als ihr jüngerer Bruder auf die Welt kommt, wird sie ermahnt: Sie bräuchte sich nun nicht mehr wie ein Junge benehmen, sie hätten jetzt einen "echten" Jungen. Also geht Margarethe zu Debütantinnenbällen und sucht nach einem Heiratskandidaten. Doch im Gegensatz zu ihren jüngeren Schwestern tut sich sich schwer, den Richtigen zu finden. Irgendwann heiratet sie doch, aber der Richtige ist es eher nicht. Aber dann kommt der Krieg und Margarethe ist alleine mit ihren zwei Kindern. Sie wird Ihren privilegierten Status verlieren, neu heiraten und einiges Einstecken müssen... sie hatte eben Pech mit ihren Ehemännern.... sagen die Schwestern, die in begüterte Verhältnisse nach Dänemark geheiratet haben. Auf die Idee, dass Frauen sich selbst ihren Lebensunterhalt verdienen könnten und, dass es eventuell eine gute Idee gewesen wäre, Margarethe studieren zu lassen, statt dies für den eher dann doch nicht geeigneten Bruder zu planen, kommt keiner. Margarethe darf immerhin eine Erzieherinnen Ausbildung absolvieren, aber nur, weil ihre Eltern ihre Heirat mit einem jüdischen Bewerber abgelehnt haben...
Das Leben von Frauen war eben durch den Mann definiert. Das merkt auch Marianne, die Tochter von Margarethe. Auch sie lernt viele Männer kennen, findet aber auch nicht den Richtigen. Bemüht sich aber auch nur so halb, sich selbst eine Existenz aufzubauen. Aber die Nazizeit und der 2. Weltkrieg wirken sich aus und der Vater ihrer Tochter Monika bleibt im Krieg. Nach dem Krieg und der sowjetischen Besatzung zieht es die Frauen-Familie in den Westen. Alle Privilegien sind schon lange Geschichte, doch Bildung und Literatur waren immer wichtig. Und so wird Monika studieren und von einem afrikanischen Studenten schwanger werden. Doch Rassismus und Vorurteile richten sich gegen die Schwangerschaft. Und wahrscheinlich alte Wunder, denn manche der Frauen waren eher unerwünscht: Margarethe kam schon drei Monate nach der Hochzeit ihrer Eltern auf die Welt und der Vater hat die Mutter immer wieder betrogen. Monika kam ungeplant und am Ende des Krieges auf die Welt, ihr Vater wollte auch kein Kind. Und so ist es auch bei Miriam, der Urenkelin, die heute die Autorin dieses Romans ist.
Es handelt sich um eine umfangreiche Geschichte, mehr als 500 Seiten, in denen zwar viel passiert, es jedoch auch ein paar Längen gibt, denn für mich hatte (die m.E. relativ uninteressante und oberflächliche) Marianne fast zu viel Raum und Monika und Miriam vielleicht zu wenig... Andererseits wurde gerade am Beispiel von Marianne sehr subtil dargestellt, wie wenig reflektiert viele Menschen in der Nazizeit waren. Auf Bildung wurde zwar Wert gelegt, jedoch nicht auf kritisches Hinterfragen, auf Analysen und eigene Gedanken, kein Wunder, dass Marianne beim Malunterricht quasi scheitert, obwohl sie sehr begabt ist. Es reicht aber immerhin später für eine Existenz als Postkartengestalterin. Die Geschichte von Monika ist teilweise sehr tragisch und erst Miriam wird sich der Familiengeschichte stellen und Dinge aufarbeiten.
Der Erzählfluss in der Vergangenheit ist fiktiv und basiert lediglich auf Tagebucheinträgen der jeweiligen Frauen. Zwischendrin meldet sich die Autorin in der Ich-Form und erzählt von ihrer eigenen Sicht und von eigenen Erlebnissen, dies bildet eine willkommene Unterbrechung der Erzählung und gibt neue Einblicke, die die Geschehnisse besser einordnen.
Sehr gut gefallen hat mir das Symbol des Bücherschranks, den Margarethe bauen lässt und der alle Wirrnisse übersteht und später im Arbeitszimmer von Miriam nicht nur Klassiker der Literatur, sondern auch die Tagebücher von Margarethe, Marianne und Monika beherbergt.
Insgesamt habe ich diesen Roman sehr gerne gelesen. Nachdem ich am Anfang wegen des erzählenden Stils ein wenig skeptisch war, ob ich das mehr als 500 Seiten aushalte, war ich nach ungefähr 60 Seiten voll drin in der Geschichte und neugierig, wie sich alles entwickelt. Natürlich ist es kein Wohlfühlroman, dafür sind viele Geschehnisse einfach zu grausam. Aber so war die deutsche Geschichte in den letzten 100 Jahren. Und zwischendurch lockert die Autorin die Atmosphäre durch Beschreibungen von schönen kleinen Erlebnissen, von familiärem Zusammenhalt, trotz aller Differenzen und von zeitgeschichtlichen Erzählungen, die die Stimmungen der Epochen sehr gut verdeutlichen.