Fesselnde Zeitreise durch ein Jahrhundert
"Unerwünschte Töchter" ist eindrucksvoller Roman, in dem sich die Autorin, Miriam Carbe, mit den Frauen ihrer Familie auseinandersetzt. Alles beginnt mit einem Erbstück. Es ist der Schrank aus Kirschholz, den die Urgroßmutter der Autorin, 1912 anfertigen ließ. Von Generation zu Generation weitergegeben beherbergt er Bücher, vor allem aber auch Tagebücher, die die Grundlage dieses autofiktionalen Romans bilden. Erzählt wird von vier Generationen, vier Frauen, Mütter und Töchter, deren Beziehungen sich oft schwierig gestalten. Dabei wirft Miriam Carbe einen sowohl durchaus kritischen, als auch sehr emphatischen Blick auf ihre Vorfahrinnen. Es geht um Identität sowie eine Zeit, in der Töchter nicht gewürdigt wurden. Zeitgeschehen und Zeitgeist prägen das Leben der Frauen und lassen wenig Platz für individuelle Lebensentwürfe. Welche Konventionen die Frauen in ihre Rollen gedrängt hat, ist sehr plastisch beschrieben. Es sind Erzählungen über Scham, Verletzungen sowie einen tiefsitzenden Rassismus. Sprachlich intensiv und berührend gehen die Leser*innen auf fesselnde Zeitreise durch ein Jahrhundert.