Geliebt habe ich sie immer, sie ist ein Teil von mir selbst
Unerwünschte Töchter von Miriam Carbe (Hanser Verlag)
Meine Urgroßmutter Margarethe war eine strenge Mutter. Auf die aus ihrere Sicht falschen Lebensentscheidungen meiner Großmutter Marianne hat sie später scharf reagiert.
Die ersten drei Jahre meines Lebens wurde ich meiner Urgroßmutter verschwiegen. Als ich in die Schule kan, musste ich dieser fremden unheimlichen Frau Briefe schreiben, die dann mit ihren roten Korrekturen und getrockneten Blüten zurückkamen. S.59
Der autobiographische und teils mit fiktiven Anekdoten gefüllte Roman basiert auf den Tagebüchern der weiblichen Vorfahren der Familie von Mirian Carbe: Margarethe, Marianne, Monika und Miriam selbst. Ein weiterer Hauptdarsteller ist der Schrank, den sich Urgroßmutter Margarethe 1912 in Dresden anfertigen lässt. Der Inhalt wechselt mit der Besitzerin und so spiegelt dieses Möbelstück den Charakter, die jeweiligen Vorlieben und den Zeitgeist der Nutzerin wieder. Eitelkeiten spielen bei den Frauen dieser Familie keine Rolle. Anna Maria Augusta Webers Ehemann Carl Hermann bringt es gekonnt auf den Punkt, indem er sagt: „Du schimpfst immer auf alles, was du eitel findest. Aber das ist deine Form der Eitelkeit.“ Margarethes Mutter liebt klassiche Literatur, Poesie und das rezitieren von Goethe. Hier findet sie Ruhe und Antworten. Geprägt durch diese Erziehung stehen die Werke der Dichter Goethe, Lessing, Hauff und Schiller noch bei Margarethe hinter den zweimal achtzehn kleinen Glasfensterchen.
Marianne zweckentfremdet den Bücherschrank zur Dekoration für Nippes und verbannte die Literatur in den Seitenflügel. Die zarte Frau ist immer in Bewegung und es gibt unablässig etwas zu tun und zu erledigen. Ihre Geschichte hat mir besonders gut gefallen.
Monika füllt das Familienerbstück wieder mit klassischer Literatur und modernen, europäischen Werken. Bei ihren Erzählungen gibt es einige Längen. Trotzallem ist auch ihr Leben bewegend und verläuft nicht immer geradlinig.
Jetzt: Miriam. Hier finden sich die generationsübergreifenden Tagebücher in dem geschreinerten Möbelstück wieder. Sie formt aus dieser Fülle an Eindrücken, Erlebnissen, Gefühlen und Gedanken eine von einem Jahrhundert geprägte Geschichte. Eingezwängt in Normen, Erwartungen und Umstände und gezeichnet von Verlusten der jeweiligen Zeit, sind die Frauen selbstbewußt genug, um ihren eigenen Weg zu gehen. Gern hätte ich noch viel mehr von Miriam Carbe selbst erfahren, die aus der Gegenwart ihre Geschichte erzählt. Abwechselnd lieben und leiden wir anfangs mit ihrer Ur-Urgroßmutter in der Villa Parsifal in Dresden, und mit ihrer Urgroßmutter, Großmutter und Mutter in Meiningen und Ostwestfalen mit. In Rückblenden schreibt die Autorin diese eindrücklichen Anekdoten. Zum Schluss findet sich eine runde Geschichte, die an dieser Stelle perfekt zu Ende geschieben ist.
Fazit: Ich habe diesen einfühlsamen und gleichzeitig direkt erzählten Roman in kleinen Portionen gelesen. Man muss das Erzählte setzten lassen. Doch schnell hatte ich, nach zugeschlagenen Buchdeckeln, das Bedürfnis weiter lesen zu wollen.
Miriam Carbes Hauptprotagonistinen haben Ecken und Kanten. Sie sind vielleicht nicht unerwünscht, wie der Buchtitel sagt, sondern sie starten eher unerwartet in das Leben und in diese Familie. Die Ähnlichkeiten, die meist eine Generation überspringen, spiegeln sich auch in Miriam Carbes besonderer Beziehung zu ihrer Großmutter wieder. Denn trotz aller Prägung und Ansichten siegt das Herz über den Verstand; und das ist gut so!
Liebe Miriam Carbe, danke für das Teilen ihrer Geschichte. Ich habe die Familie gern begleitet. Ein wundervoller Roman, der zu Herzen geht.
Meine Urgroßmutter Margarethe war eine strenge Mutter. Auf die aus ihrere Sicht falschen Lebensentscheidungen meiner Großmutter Marianne hat sie später scharf reagiert.
Die ersten drei Jahre meines Lebens wurde ich meiner Urgroßmutter verschwiegen. Als ich in die Schule kan, musste ich dieser fremden unheimlichen Frau Briefe schreiben, die dann mit ihren roten Korrekturen und getrockneten Blüten zurückkamen. S.59
Der autobiographische und teils mit fiktiven Anekdoten gefüllte Roman basiert auf den Tagebüchern der weiblichen Vorfahren der Familie von Mirian Carbe: Margarethe, Marianne, Monika und Miriam selbst. Ein weiterer Hauptdarsteller ist der Schrank, den sich Urgroßmutter Margarethe 1912 in Dresden anfertigen lässt. Der Inhalt wechselt mit der Besitzerin und so spiegelt dieses Möbelstück den Charakter, die jeweiligen Vorlieben und den Zeitgeist der Nutzerin wieder. Eitelkeiten spielen bei den Frauen dieser Familie keine Rolle. Anna Maria Augusta Webers Ehemann Carl Hermann bringt es gekonnt auf den Punkt, indem er sagt: „Du schimpfst immer auf alles, was du eitel findest. Aber das ist deine Form der Eitelkeit.“ Margarethes Mutter liebt klassiche Literatur, Poesie und das rezitieren von Goethe. Hier findet sie Ruhe und Antworten. Geprägt durch diese Erziehung stehen die Werke der Dichter Goethe, Lessing, Hauff und Schiller noch bei Margarethe hinter den zweimal achtzehn kleinen Glasfensterchen.
Marianne zweckentfremdet den Bücherschrank zur Dekoration für Nippes und verbannte die Literatur in den Seitenflügel. Die zarte Frau ist immer in Bewegung und es gibt unablässig etwas zu tun und zu erledigen. Ihre Geschichte hat mir besonders gut gefallen.
Monika füllt das Familienerbstück wieder mit klassischer Literatur und modernen, europäischen Werken. Bei ihren Erzählungen gibt es einige Längen. Trotzallem ist auch ihr Leben bewegend und verläuft nicht immer geradlinig.
Jetzt: Miriam. Hier finden sich die generationsübergreifenden Tagebücher in dem geschreinerten Möbelstück wieder. Sie formt aus dieser Fülle an Eindrücken, Erlebnissen, Gefühlen und Gedanken eine von einem Jahrhundert geprägte Geschichte. Eingezwängt in Normen, Erwartungen und Umstände und gezeichnet von Verlusten der jeweiligen Zeit, sind die Frauen selbstbewußt genug, um ihren eigenen Weg zu gehen. Gern hätte ich noch viel mehr von Miriam Carbe selbst erfahren, die aus der Gegenwart ihre Geschichte erzählt. Abwechselnd lieben und leiden wir anfangs mit ihrer Ur-Urgroßmutter in der Villa Parsifal in Dresden, und mit ihrer Urgroßmutter, Großmutter und Mutter in Meiningen und Ostwestfalen mit. In Rückblenden schreibt die Autorin diese eindrücklichen Anekdoten. Zum Schluss findet sich eine runde Geschichte, die an dieser Stelle perfekt zu Ende geschieben ist.
Fazit: Ich habe diesen einfühlsamen und gleichzeitig direkt erzählten Roman in kleinen Portionen gelesen. Man muss das Erzählte setzten lassen. Doch schnell hatte ich, nach zugeschlagenen Buchdeckeln, das Bedürfnis weiter lesen zu wollen.
Miriam Carbes Hauptprotagonistinen haben Ecken und Kanten. Sie sind vielleicht nicht unerwünscht, wie der Buchtitel sagt, sondern sie starten eher unerwartet in das Leben und in diese Familie. Die Ähnlichkeiten, die meist eine Generation überspringen, spiegeln sich auch in Miriam Carbes besonderer Beziehung zu ihrer Großmutter wieder. Denn trotz aller Prägung und Ansichten siegt das Herz über den Verstand; und das ist gut so!
Liebe Miriam Carbe, danke für das Teilen ihrer Geschichte. Ich habe die Familie gern begleitet. Ein wundervoller Roman, der zu Herzen geht.