Jahrhundertpanorama
Aus dem Nachlass ihrer Mutter Monika, die 2021 starb, entwickelte Miriam Carbe ihren Debütroman. Die ältesten Einträge in den hinterlassenen Tagebüchern reichen bis ins Jahr 1908 zurück. Daraus rekonstruiert Carbe die Geschichte ihrer Familie über vier Generationen und verbindet sie mit fiktionalen Passagen zu einem Roman, der zugleich Familienchronik, Erinnerungserzählung und Jahrhundertpanorama ist.
Die Frauen Margarethe, Marianne, Monika und Miriam durchleben das gesamte 20. Jahrhundert: Kaiserreich, zwei Weltkriege, Teilung, Wiedervereinigung. Den dramatischen Wendepunkt bildet die Geburt von Miriam selbst als ihre Mutter Monika in den Sechzigerjahren gegen alle Widerstände ein uneheliches schwarzes Kind zur Welt bringt. Der Roman macht daraus keine Anklageschrift, sondern verfolgt die Wege, auf denen sich Vorurteile vererben und in alltäglichen Gesten fortsetzen.
Erzählerisch überzeugt Carbe durch einen geschickten Perspektivwechsel: Sie wechselt immer wieder aus der Ich-Perspektive auf die fiktionale Ebene und in die Sicht ihrer Vorfahrinnen. So schreibt sie nicht nur Familiengeschichte, sondern macht auch ein Stück deutsche Historie erfahrbar.
Der einzige nennenswerte Kritikpunkt: Ausgerechnet Miriams Mutter bekommt verhältnismäßig wenig Raum. Jene Frau, deren Lebensgeschichte wohl die komplexeste und deren Verhältnis zu den Verwandten das ambivalenteste ist.
Insgesamt ist Unerwünschte Töchter ein eindrucksvolles Debüt und ein Roman, der nachhallt und dazu einlädt, über das eigene Familienerbe nachzudenken.
Die Frauen Margarethe, Marianne, Monika und Miriam durchleben das gesamte 20. Jahrhundert: Kaiserreich, zwei Weltkriege, Teilung, Wiedervereinigung. Den dramatischen Wendepunkt bildet die Geburt von Miriam selbst als ihre Mutter Monika in den Sechzigerjahren gegen alle Widerstände ein uneheliches schwarzes Kind zur Welt bringt. Der Roman macht daraus keine Anklageschrift, sondern verfolgt die Wege, auf denen sich Vorurteile vererben und in alltäglichen Gesten fortsetzen.
Erzählerisch überzeugt Carbe durch einen geschickten Perspektivwechsel: Sie wechselt immer wieder aus der Ich-Perspektive auf die fiktionale Ebene und in die Sicht ihrer Vorfahrinnen. So schreibt sie nicht nur Familiengeschichte, sondern macht auch ein Stück deutsche Historie erfahrbar.
Der einzige nennenswerte Kritikpunkt: Ausgerechnet Miriams Mutter bekommt verhältnismäßig wenig Raum. Jene Frau, deren Lebensgeschichte wohl die komplexeste und deren Verhältnis zu den Verwandten das ambivalenteste ist.
Insgesamt ist Unerwünschte Töchter ein eindrucksvolles Debüt und ein Roman, der nachhallt und dazu einlädt, über das eigene Familienerbe nachzudenken.