Spannende Familiensaga

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sophie h. Avatar

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Miriam Carbe erzählt in „Unerwünschte Töchter“ die Geschichte ihrer eigenen Familie. Sie hat einen Bücherschrank geerbt, den ihre Urgroßmutter Margarethe 1912 in Dresden anfertigen ließ. Und mit dem Bücherschrank die Tagebuchaufzeichnungen der drei Generationen: von ihrer Urgroßmutter Margarethe, ihrer Großmutter Marianne und ihrer Mutter Monika. Aus diesen Tagebuchaufzeichnungen macht Carbe eine Erzählung ihrer Familiengeschichte. Nicht nur der Bücherschrank, die Tagebuchaufzeichnungen und die Tatsache, dass alle Vornamen der Frauen mit einem M beginnen, vereint die vier Frauen. Sondern auch, dass alle Frauen irgendwie unerwünscht waren. Sei es, dass man sich lieber einen Stammhalter gewünscht hätte oder dass man ungewollt schwanger geworden ist. Womöglich noch von einem Mann anderer Hautfarbe.
Ich fand es sehr interessant, in die Gedankenwelt der verschiedenen Generationen eintauchen zu können. Zu erfahren, wie man damals über die Juden gedacht hat, wie es war, aus der DDR zu fliehen und wie man über Menschen mit einer anderen Hautfarbe geredet hat und wie mit ihnen umgegangen wurde. Auch ist die Frage, was davon unbewusst an die nächste Generation weitergeben wird, sehr spannend.
Das Buch lässt sich gut und flüssig lesen. Auch wenn ich bei den Vornamen manchmal kurz überlegen musste, ob es nun die Urgroßmutter oder die Großmutter ist. Oder doch die Mutter? Die Familiensaga wird immer wieder unterbrochen von Schilderungen der Autorin, was sie von der Zeit erinnert, was der Geschichte eine besondere Tiefe verleiht.
Ein wertvoller Einblick in ein ganzes Jahrhundert!