tolles zeitgeschichtliches Zeugnis
Der Roman -Unerwünschte Töchter von Miriam Carbe dreht sich um die vier Protagonistinnen Margarethe (Grethe), Marianne (Nanni), Monika und Miriam. Sie alle sind Frauen einer Familie, immer in der nachfolgenden Generation. Somit umfasst die Geschichte ca. ein ganzes Jahrhundert, gefußt auf den Erinnerungen und Tagebucheinträgen der jeweiligen Zeit. Am Ende steht Miriam, die nach dem Tod der Mutter Monika mehrere Kisten mit Tagebüchern und anderen Aufzeichnungen ihrer Vorfahrinnen geerbt hat und somit beschloss, die Geschichte aufzuschreiben.
Es ist ein sehr interessantes Zeitzeugnis des 20. Jahrhunderts, das einen die großen Ereignisse wie die beiden Weltkriege etc. noch einmal durchleben lässt und veranschaulicht das Leben speziell der Frauen in der damaligen Zeit. Themen wie Statusverlust, Identitätsfindung, häufige Umzüge und nicht zuletzt auch die Übersiedlung vom Osten in den Westen sind große Themen in diesem Roman.
Der Titel -Unerwünschte Töchter- ist etwas missverständlich gewählt. Einzig Miriam, die aufgrund ihrer dunkleren Hautfarbe häufig rassistischen Anfeindungen ausgesetzt ist, gebraucht irgendwann im Roman das Wort -unerwünscht- in Bezug auf sich selbst, da sie sich so fühle. Und ihre Mutter Monika findet lange keinen Partner, was sie grübeln lässt, ob sie vielleicht -anders- als andere ist, -unerwünschter-.
Tatsächlich kamen alle Frauen zu Zeitpunkten auf die Welt, die in den Familien meist eher ungünstig waren: Margarethes Eltern sind bei ihrer Geburt erst drei Monate verheiratet; Marianne kommt nur ein Jahr nach ihrem älteren Bruder auf die Welt, sodass die Mutter in den Wirren des 1. Weltkriegs plötzlich allein mit zwei kleinen Kindern dasteht; Monika erblickt wenige Monate nach dem Ende des 2. Weltkriegs das Licht der Welt, kurz nachdem ihr Vater starb und ihre Mutter somit zur Kriegswitwe wurde, und bei Miriam ist der Skandal, dass ihre Mutter damals noch Studentin ist, unverheiratet, mittellos. Die eigentliche -Ungeheuerlichkeit- besteht aber in Miriams schwarzer Hautfarbe. Dies hat zur Folge, dass sie manchen Teilen der Familie einige Zeit verheimlicht wurde.
Diese Tatsachen könnten erklären, wieso im Titel das Wort -unerwünscht- verwendet wird.
Das Cover ist wunderschön und schlicht gehalten: Auf einem türkisfarbenen Untergrund schlängelt sich eine zweireihige Perlenkette über das gesamte Cover. Der Titel und der Name der Autorin sind dabei in gelben Buchstaben geschrieben, was farblich wunderbar zusammenpasst. Dabei verdeckt die Kette das t von -unerwünschte- fast vollständig. In deutlich kleineren, dezenteren und weißen Lettern ist der Verlag gedruckt.
Die Perlenkette selbst spielt im Buch eher eine untergeordnete Rolle. Margarethes Mutter bekam sie einst von ihrem Mann zum Hochzeitstag geschenkt. Somit wird die Kette immer an die jeweilige Tochter der Familie weitergegeben. Das Schmuckstück soll wohl den Zusammenhalt der Frauen und das tiefe Band der Familie symbolisieren, indem jede Person ein eigenes Glied, eine eigene Perle, darstellt.
Das Buch kommt im Schutzumschlag daher, unter dem es ebenfalls türkis ist. Der Titel ist nicht auf den Buchdeckel aufgedruckt. Außerdem enthält es ein gelbes Lesebändchen.
Der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen. Manche Kapitel sind sehr lang, jedoch ist der Roman in viele Abschnitte unterteilt, die das Lesen ein bisschen vereinfachen. Dabei verwendet die Geschichte keine Redezeichen und der Text ist größtenteils in indirekter Rede geschrieben. Daran musste ich mich erst gewöhnen. Die fehlenden Anführungszeichen haben mich anfangs gestört, nach einer Weile nahm ich diese Besonderheit aber gar nicht mehr wahr.
Die Kapitel über Monika sind immer mal wieder in die Story eingeflochten und in ihren Passagen ist sie die Einzige, die als Ich-Erzählerin fungiert. Alle anderen Kapitel werden in der dritten Person über die Figuren berichtet.
Wenn die Original-Tagebucheinträge zitiert werden, ist die Schrift kursiv gedruckt. Meist sind diese Ausschnitte allerdings recht kurz.
Die Geschichte basiert auf den Aufzeichnungen der Vergangenheit und vielen wahren Begebenheiten, jedoch ist manches drumherum konstruiert worden.
Eigene Meinung:
Mir hat die Geschichte -Unerwünschte Töchter- sehr gut gefallen. Ich lese gerne solche Familien- und Frauenschicksale, die im letzten Jahrhundert angesiedelt sind. Dabei ist es für mich unerheblich, ob die Figuren fiktiv oder real sind.
Als ich las, dass die Autorin hierbei ihre eigene Geschichte und die ihrer Vorfahren aufschreibt, war ich sofort begeistert. Am meisten erstaunt hat mich, dass es tatsächlich gut erhaltene Tagebücher und Berichte aus der Zeit um 1908 gibt, mit denen der Roman startet. Die Tatsache, dass die Vornamen der Frauen in der Geschichte mit M anfangen und vor allem der Skandal rund um das uneheliche schwarze Baby und seine Auswirkungen auf die Familie und die damalige Zeit, haben mich sehr interessiert.
Es zeigt auch, wie wichtig Tagebücher und andere Berichte sind, damit nachfolgende Generationen die eigene Lebenszeit besser nachvollziehen können und verstehen, unter welchen Umständen ihre Vorfahren gelebt und gehandelt haben. Das macht einem die vergangene Zeit besser verständlich.
Und nicht zuletzt eröffnen solche Dokumente nochmal einen besseren Einblick in das private Seelenleben des Verfassers. Durch diese bleibt auch nach dem Tod ein Stück von ihnen selbst bestehen.
Die Autorin Miriam Carbe arbeitet seit vielen Jahren als Redakteurin beim deutschen Fernsehen. Ihr Name kam mir ganz lose bekannt vor. Da dies ihr erster Roman ist, habe ich bisher keine weiteren Geschichten von ihr lesen können.
Einzig die oben erwähnten fehlenden Redezeichen und die die hauptsächliche indirekte Sprache haben mich etwas gestört. Nichtsdestotrotz vergebe ich vier (bzw. viereinhalb) von fünf Sternen für diese großartige Geschichte.
Es ist ein sehr interessantes Zeitzeugnis des 20. Jahrhunderts, das einen die großen Ereignisse wie die beiden Weltkriege etc. noch einmal durchleben lässt und veranschaulicht das Leben speziell der Frauen in der damaligen Zeit. Themen wie Statusverlust, Identitätsfindung, häufige Umzüge und nicht zuletzt auch die Übersiedlung vom Osten in den Westen sind große Themen in diesem Roman.
Der Titel -Unerwünschte Töchter- ist etwas missverständlich gewählt. Einzig Miriam, die aufgrund ihrer dunkleren Hautfarbe häufig rassistischen Anfeindungen ausgesetzt ist, gebraucht irgendwann im Roman das Wort -unerwünscht- in Bezug auf sich selbst, da sie sich so fühle. Und ihre Mutter Monika findet lange keinen Partner, was sie grübeln lässt, ob sie vielleicht -anders- als andere ist, -unerwünschter-.
Tatsächlich kamen alle Frauen zu Zeitpunkten auf die Welt, die in den Familien meist eher ungünstig waren: Margarethes Eltern sind bei ihrer Geburt erst drei Monate verheiratet; Marianne kommt nur ein Jahr nach ihrem älteren Bruder auf die Welt, sodass die Mutter in den Wirren des 1. Weltkriegs plötzlich allein mit zwei kleinen Kindern dasteht; Monika erblickt wenige Monate nach dem Ende des 2. Weltkriegs das Licht der Welt, kurz nachdem ihr Vater starb und ihre Mutter somit zur Kriegswitwe wurde, und bei Miriam ist der Skandal, dass ihre Mutter damals noch Studentin ist, unverheiratet, mittellos. Die eigentliche -Ungeheuerlichkeit- besteht aber in Miriams schwarzer Hautfarbe. Dies hat zur Folge, dass sie manchen Teilen der Familie einige Zeit verheimlicht wurde.
Diese Tatsachen könnten erklären, wieso im Titel das Wort -unerwünscht- verwendet wird.
Das Cover ist wunderschön und schlicht gehalten: Auf einem türkisfarbenen Untergrund schlängelt sich eine zweireihige Perlenkette über das gesamte Cover. Der Titel und der Name der Autorin sind dabei in gelben Buchstaben geschrieben, was farblich wunderbar zusammenpasst. Dabei verdeckt die Kette das t von -unerwünschte- fast vollständig. In deutlich kleineren, dezenteren und weißen Lettern ist der Verlag gedruckt.
Die Perlenkette selbst spielt im Buch eher eine untergeordnete Rolle. Margarethes Mutter bekam sie einst von ihrem Mann zum Hochzeitstag geschenkt. Somit wird die Kette immer an die jeweilige Tochter der Familie weitergegeben. Das Schmuckstück soll wohl den Zusammenhalt der Frauen und das tiefe Band der Familie symbolisieren, indem jede Person ein eigenes Glied, eine eigene Perle, darstellt.
Das Buch kommt im Schutzumschlag daher, unter dem es ebenfalls türkis ist. Der Titel ist nicht auf den Buchdeckel aufgedruckt. Außerdem enthält es ein gelbes Lesebändchen.
Der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen. Manche Kapitel sind sehr lang, jedoch ist der Roman in viele Abschnitte unterteilt, die das Lesen ein bisschen vereinfachen. Dabei verwendet die Geschichte keine Redezeichen und der Text ist größtenteils in indirekter Rede geschrieben. Daran musste ich mich erst gewöhnen. Die fehlenden Anführungszeichen haben mich anfangs gestört, nach einer Weile nahm ich diese Besonderheit aber gar nicht mehr wahr.
Die Kapitel über Monika sind immer mal wieder in die Story eingeflochten und in ihren Passagen ist sie die Einzige, die als Ich-Erzählerin fungiert. Alle anderen Kapitel werden in der dritten Person über die Figuren berichtet.
Wenn die Original-Tagebucheinträge zitiert werden, ist die Schrift kursiv gedruckt. Meist sind diese Ausschnitte allerdings recht kurz.
Die Geschichte basiert auf den Aufzeichnungen der Vergangenheit und vielen wahren Begebenheiten, jedoch ist manches drumherum konstruiert worden.
Eigene Meinung:
Mir hat die Geschichte -Unerwünschte Töchter- sehr gut gefallen. Ich lese gerne solche Familien- und Frauenschicksale, die im letzten Jahrhundert angesiedelt sind. Dabei ist es für mich unerheblich, ob die Figuren fiktiv oder real sind.
Als ich las, dass die Autorin hierbei ihre eigene Geschichte und die ihrer Vorfahren aufschreibt, war ich sofort begeistert. Am meisten erstaunt hat mich, dass es tatsächlich gut erhaltene Tagebücher und Berichte aus der Zeit um 1908 gibt, mit denen der Roman startet. Die Tatsache, dass die Vornamen der Frauen in der Geschichte mit M anfangen und vor allem der Skandal rund um das uneheliche schwarze Baby und seine Auswirkungen auf die Familie und die damalige Zeit, haben mich sehr interessiert.
Es zeigt auch, wie wichtig Tagebücher und andere Berichte sind, damit nachfolgende Generationen die eigene Lebenszeit besser nachvollziehen können und verstehen, unter welchen Umständen ihre Vorfahren gelebt und gehandelt haben. Das macht einem die vergangene Zeit besser verständlich.
Und nicht zuletzt eröffnen solche Dokumente nochmal einen besseren Einblick in das private Seelenleben des Verfassers. Durch diese bleibt auch nach dem Tod ein Stück von ihnen selbst bestehen.
Die Autorin Miriam Carbe arbeitet seit vielen Jahren als Redakteurin beim deutschen Fernsehen. Ihr Name kam mir ganz lose bekannt vor. Da dies ihr erster Roman ist, habe ich bisher keine weiteren Geschichten von ihr lesen können.
Einzig die oben erwähnten fehlenden Redezeichen und die die hauptsächliche indirekte Sprache haben mich etwas gestört. Nichtsdestotrotz vergebe ich vier (bzw. viereinhalb) von fünf Sternen für diese großartige Geschichte.