Wenn eine Familie über vier Generationen mit sich selbst ringt

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davina Avatar

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Miriam Carbes Debütroman ist eines dieser Bücher, bei denen man nach der Lektüre erstmal kurz durchatmen muss nicht, weil es anstrengend geschrieben wäre, sondern weil so viel drinsteckt, dass man Zeit braucht, es sacken zu lassen.

Worum geht’s: Vier Frauen, vier Generationen, ein Jahrhundert Deutschland: Margarethe, Marianne, Monika und Miriam. Die Geschichte beginnt im großbürgerlichen Dresden am Anfang des 20. Jahrhunderts und führt bis in die Gegenwart. Carbe erzählt nicht bloß eine erfundene Familiensaga, sondern stützt sich auf echte Tagebücher ihrer Mutter und Großmutter, die älteren reichen bis 1908 zurück. Das Buch trägt also autobiografische Züge. Miriam ist selbst die titelgebende „unerwünschte Tochter”, geboren in den Sechzigern als uneheliches, schwarzes Kind einer deutschen Mutter und eines nigerianischen Austauschstudenten. Zu jener Zeit ein handfester Skandal, und genau diesem Skandal spürt sie nach, indem sie erst mal drei Generationen vor sich selbst betrachtet.

Was mich daran begeistert hat: Es ist kein Buch, das seine Frauenfiguren zu strahlenden Heldinnen verklärt. Sie kämpfen, halten zusammen, verletzen sich gegenseitig, scheitern an Erwartungen und Umständen und genau das macht sie glaubwürdig statt kitschig. Besonders die Mutter Monika, die in den Sechzigern gegen alle Widerstände ihr Kind bekommen will. Carbe moralisiert dabei nicht, sie urteilt nicht nachträglich über ihre Vorfahrinnen, die den Nazis wenig entgegensetzten. Sie versucht eher zu verstehen, unter welchen Zwängen diese Frauen lebten.
Wer generationenübergreifende Familiengeschichten mag, die sich nicht scheuen, auch die unschönen, verdrängten Kapitel deutscher Geschichte: Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit mitzuerzählen, ist hier einfach toll gemacht.