Zeitreise durch ein Jahrhundert

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In ihrem Debütroman „Unerwünschte Töchter“ erzählt Miriam Carbe die Geschichte ihrer eigenen Familie, angefangen mit ihrer Urgroßmutter Margarethe, Großmutter Marianne, Mutter Monika und über sich selbst – Miriam -.

Die vier Frauen lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit. Sie stammen aus dem Bildungsbürgertum Dresdens, die Männer und Väter fallen in den Weltkriegen. Zum schlimmsten Zerwürfnis kommt es nach der Übersiedlung in den Westen, als die hochintelligente, labile Enkelin Monika in den Sechzigerjahren gegen alle Widerstände ein uneheliches schwarzes Kind zur Welt bringen will. Die Autorin selbst ist dieses Kind. Der Skandal ihrer Geburt und später auch ihre Kindheit waren von einem rassistischen Denken grundiert, in dem der Rassenwahn des Nationalsozialismus noch nachklang.

Urgroßmutter Margarethe ließ sich 1912 in Dresden einen Schrank anfertigen der heute nach dem Tod ihrer Mutter Monika bei ihr in ihrem Arbeitszimmer steht. Nicht nur den Schrank hat Miriam geerbt sondern auch ein Konvolut von Tagebüchern und Notizen aus drei Generationen. Der älteste Eintrag stammt von 1908 - sie schrieben über ihr eigenes Leben und auch übereinander.

Nach dem Tod ihrer Mutter Monika fühlte es sich für Miriam wie eine Verpflichtung an, ihre Familiengeschichte nach den Aufzeichnungen der Frauen, chronologisch zu erfassen und niederzuschreiben. Es ist eine persönliche Geschichte abgerundet mit fiktionalen Elementen, aber auch sehr geprägt vom zeitgeschichtlichen Hintergrund.

Diese vier Frauen waren die „Unerwünschten Töchter“, deren Geburt ihren Müttern aus unterschiedlichen Gründen, äußerst ungelegen kam.

Fazit:
Gewünscht hätte ich mir einen Stammbaum, mit den Namen und den dazugehörigen Kosename, denn der Wechsel zwischen den unterschiedlichen Zeiten und Perspektiven, war nicht immer eindeutig und überschaubar. Im Anhang gibt es ein Inhaltsverzeichnis über die Kapitel zwar mit Überschrift aber kein Datum/Jahr. Der Schreibstil ist sehr ruhig erzählt und an manchen Stellen etwas zu detailliert, was einzelne Abschnitte, sehr in die Länge zieht. Wer sich gerne mit ausführlichen und generationsübergreifenden Familiengeschichten beschäftigt, dem empfehle ich gerne diesen Debütroman.