Zu Recht auf der Longlist

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Von

UNERWÜNSCHTE TÖCHTER
Miriam Carbe
ET: 28.05.26

Was bedeutet es, als Frau in eine Welt hineingeboren zu werden, in der andere über das eigene Leben entscheiden? Wie viel von dem, was uns prägt, tragen wir weiter – und wann gelingt es uns, daraus auszubrechen?

Miriam Carbe erzählt in UNERWÜNSCHTE TÖCHTER über vier Generationen ihrer eigenen Familiengeschichte und führt uns zurück bis ans Ende des 19. Jahrhunderts. Dort beginnt die Geschichte ihrer Urgroßmutter Margarethe, die in der Villa Parsifal in Dresden als Tochter gut situierter Eltern aufwächst. Ihr Leben scheint vorgezeichnet, doch eine Liebe stellt die Weichen für vieles, was folgen wird.

Als junge Frau verliebt sich Margarethe in einen angehenden Mediziner. Doch weil er jüdische Wurzeln hat, verweigern ihre Eltern die Verbindung. Margarethe heiratet spät, nach ihren beiden jüngeren Geschwistern, und bekommt zwei Kinder, Heiner und Marianne. Doch schon wenige Jahre später ist sie Witwe. Der Erste Weltkrieg, Hunger und Inflation machen die folgenden Jahre zu einem täglichen Kampf ums Überleben. Als sie schließlich den Bruder ihres verstorbenen Mannes heiratet, hält das Leben neue Herausforderungen für sie und ihre Kinder bereit.

Als Jugendliche hat Marianne einen großen Traum: Sie möchte Malerin werden. Doch ihr Stiefvater hält nichts von diesen „Spinnereien“. Sie muss zu Hause helfen und sich in die Rolle fügen, die für sie vorgesehen ist. Erst als Sekretärin mit Ende zwanzig findet sie ein Stück Eigenständigkeit. Dort verliebt sie sich in ihren Chef, einen im Krieg versehrten Offizier. Heiraten will er sie nicht, ihre Zuneigung und ihre Gesellschaft weiß er jedoch durchaus für sich zu nutzen. Marianne wird schwanger und bringt ihre Tochter Monika zur Welt, die ohne ihren Vater aufwächst und ihn niemals kennenlernen wird.

Ja, meine lieben Bookies, ich könnte euch jetzt natürlich noch einiges über Monika erzählen. Aber das möchte ich gar nicht. Denn gerade das Entdecken dieser Familiengeschichte macht für mich einen großen Reiz des Buches aus. Nur so viel sei verraten: Auch Monika wird eine „unerwünschte Tochter“ zur Welt bringen und sich über gesellschaftliche Konventionen hinwegsetzen. Sie beginnt eine Beziehung mit einem Nigerianer – und damit sind wir schließlich bei Miriam Carbe selbst angekommen.

Carbe erzählt nicht nur ihre Familiengeschichte, sondern zeigt auch, wie sehr Herkunft, gesellschaftliche Erwartungen und persönliche Erfahrungen ein Leben prägen können. Über vier Generationen hinweg begegnen uns Frauen, die mit den Vorstellungen ihrer Zeit zu kämpfen haben, sich ihnen widersetzen und immer wieder versuchen, ihren eigenen Weg zu finden. Der Blick zurück ist dabei nicht verklärt, sondern oft schmerzhaft und schonungslos.

Ich bin sehr aufgeregt, Patin für UNERWÜNSCHTE TÖCHTER anlässlich der Nominierung zum Deutschen Buchpreis 2026 zu sein, und habe das Buch sehr gerne gelesen. Allerdings hatte es für mich zwischendurch durchaus kleine Längen, und die vier Protagonistinnen mit dem gleichen Anfangsbuchstaben „M“ haben meinen Lesefluss gelegentlich etwas gebremst.

Fazit:
Ein Buch über vier Generationen, die es alle nicht einfach hatten und ihrer Zeit teilweise voraus waren, das ich sehr gerne gelesen habe. Dieses Buch hat die Nominierung für den Deutschen Buchpreis 2026 mehr als verdient.
Chancen auf den Buchpreis? Natürlich – es ist mein Patenbuch! WE GO FOR GOLD 🥇