Psychologisch interessant, aber nicht ganz packend

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Mit „Ungelöst – Die erste Zeugin“ erzählt Arno Strobel die Geschichte der jungen Medizinstudentin Luisa Menkhoff, die nach vielen Jahren plötzlich wieder mit einem traumatischen Ereignis aus ihrer Kindheit konfrontiert wird. Damals wurde sie von dem Psychiater Joachim Lichner entführt, der sich an ihrem Vater rächen wollte. Als nun eine Frau verschwindet, die ebenfalls mit den damaligen Geschehnissen verbunden war, und kurz darauf weitere Mädchen verschwinden, beginnt für Luisa und die Ermittler ein gefährliches Spiel aus Manipulation, Erinnerungen und falschen Identitäten.

Der Einstieg in die Geschichte hat mir grundsätzlich gut gefallen. Arno Strobel schreibt wie gewohnt sehr flüssig und angenehm lesbar, sodass ich schnell durch die Seiten gekommen bin. Besonders die psychologische Grundidee rund um Manipulation, verdrängte Erinnerungen und Luisas fotografisches Gedächtnis fand ich interessant. Auch die späteren Wendungen und Enthüllungen waren teilweise durchaus clever konstruiert.

Trotzdem konnte mich der Thriller leider emotional nie wirklich packen. Über weite Strecken fehlte mir die echte Spannung und vor allem die Nähe zu den Figuren. Die Charaktere waren zwar nicht unsympathisch, blieben für mich aber eher distanziert und funktional, sodass ich kaum mit ihnen mitgefiebert habe. Gerade zu Beginn zog sich die Handlung für meinen Geschmack etwas zu sehr über Ermittlungsarbeit, Gespräche und Andeutungen, ohne dabei den typischen „Ich-muss-unbedingt-weiterlesen“-Sog auszulösen.

Erst im späteren Verlauf nimmt die Geschichte deutlich an Fahrt auf und entwickelt einige interessante Wendungen, die das Ganze komplexer und psychologisch spannender machen. Obwohl die Geschichte gegen Ende noch einige interessante Wendungen bereithält, konnte sie mich nicht komplett überraschen, da ich viele Entwicklungen schon relativ früh vorhergesehen habe.

Insgesamt ist „Ungelöst – Die erste Zeugin“ für mich ein solider Ermittlerthriller mit interessanter Grundidee und einigen gelungenen Twists, dem jedoch die emotionale Intensität und die echte Sogwirkung gefehlt haben. Leserinnen und Leser, die ruhig aufgebaute Ermittlerthriller mögen, werden hier vermutlich besser abgeholt als Fans sehr temporeicher Psychothriller à la Fitzek oder Freida McFadden.