Wenn deine Vergangenheit dich einholt

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
azyria_sun Avatar

Von

Worum geht’s?
Als Luisa ein Flugblatt mit einer vermissten Frau entdeckt, reißt es sie brutal in ihre eigene Vergangenheit zurück. Die Frau auf dem Foto ist Nicole Klement – jene Nicole, die vor vielen Jahren mit einem Messer in einer einsamen Hütte vor ihr saß. Partnerin von Joachim Lichner, der Luisa als Fünfjährige entführt hatte. Als kurz darauf ein sechsjähriges Mädchen verschwindet, beginnt für Luisa gemeinsam mit Ramin Brunner ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit. Und gegen Erinnerungen, die nie wirklich verschwunden waren.

Meine Meinung:
Mit „Ungelöst – Die erste Zeugin“ startet Arno Strobel mit voller Wucht in seine neue Cold-Case-Reihe um Luisa Menkhoff, deren Vater wir bereits aus einem älteren Thriller kennen, und Ramin Brunner. Auch wenn das Grundgerüst vertraut wirkt, entfaltet sich von der ersten Seite an eine Sogwirkung, die sofort greift. Ich war direkt mitten im Geschehen – zwischen den Zeilen, in den Köpfen der Ermittler, ohne Luft zum Durchatmen.

Luisa ist hochintelligent, hat ihr Medizinstudium dank eidetischem Gedächtnis in Rekordzeit abgeschlossen und trägt gleichzeitig eine traumatische Vergangenheit mit sich herum. Ramin Brunner ist noch Hauptkommissar im KK14, soll aber die Leitung des neu entstehenden KK11 für Cold Cases übernehmen. Beides Figuren, wie sie gerade in der Thriller-Welt Mode sind, die aber trotzdem eine eigene Tiefe entwickeln. Auch Grohmann hat es mir angetan: harte Schale, weicher Kern, eindeutig jemand, der noch für Überraschungen gut ist. Und Tewes? Genial! Ein undurchsichtiger und unnahbarer Bluthund, der nicht loslässt, wenn er sich erst festgebissen hat.

Der Fall selbst ist zugleich Auftakt und Katalysator für Ramins Wechsel. Ein alter Cold Case verknüpft sich mit einem aktuellen Vermisstenfall. Und hier ist Vorsicht geboten: Es geht um Kinder. Das geht unter die Haut, trifft mitten ins Herz und ist definitiv nichts für schwache Nerven. Gleichzeitig ist es ein gnadenloser Pageturner. Rasante Ermittlungen, kurze Szenen mit echten Spannungspeaks, ständiges Vorantreiben. Man jagt durch die Seiten in der verzweifelten Hoffnung, das Opfer rechtzeitig zu finden. Logisch aufgebaut, trotzdem verwirrend genug, um immer wieder falsche Spuren zu legen. Wer spielt hier ein doppeltes Spiel? Wem kann man trauen?

Die Vorbereitung auf das Finale ist stark, das Finale selbst konsequent und wirkungsvoll. Dieser erste Fall ist ein Buch, das man nicht einfach liest – man suchtet es weg. Tolle Charaktere, ein durchdachter Spannungsbogen und eine Geschichte, die mich sofort gepackt und bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen hat. Besonders neugierig bin ich darauf, wie Luisa künftig eingebunden wird. Ihr eidetisches Gedächtnis und ihre eigene Opferrolle waren hier zentral – aber wie sieht das in kommenden Fällen aus? Entwickelt sie sich in Richtung Profilerin? Und wie formiert sich das neue KK11 weiter? Genau das macht Lust auf mehr.

Fazit:
„Ungelöst – Die erste Zeugin“ von Arno Strobel ist ein perfekter Serienauftakt, der vor allem durch die persönliche Verstrickung von Luisa Menkhoff wirkt. Dass sie selbst Opfer der damaligen Tat war, verleiht dem Fall eine intensive, sehr persönliche Note. Die Verknüpfung aus altem Verbrechen und aktueller Kindesentführung erzeugt permanenten Zeitdruck und eine hohe emotionale Fallhöhe. Besonders überzeugend ist der logisch aufgebaute Ermittlungsweg, der gleichzeitig immer wieder verunsichert und gezielt falsche Fährten legt. Das konsequent vorbereitete Finale schließt diesen ersten Fall vollständig und stimmig ab und macht neugierig darauf, wie sich die Figuren und das neue Team in den kommenden Bänden weiterentwickeln werden.

5 fesselnde Sterne für diesen Pageturner.