Ausgeträumt

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amalia Avatar

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„Unser Haus mit Rutsche“ ist ein Roman über Kindheitserinnerungen in einer schillernden Familie. Layla und ihr kleiner Bruder wachsen im beschaulichen Saarbrücken auf, ihr irakischer Vater träumt aber wahlweise von einem Leben in Bagdad, mit Dattelpalmen und Orangenbäumen oder einem Penthouse in New York mit Pferd auf dem Dach. Doch die Blase der Verheißungen platzt als der Golfkrieg ausbricht und sich der Vater verändert.

Die Geschichte spielt zum größten Teil Anfang der 90er Jahre, immer wieder unterbrochen von Szenen aus dem heutigen Paris. Wir begleiten Layla von ihrem achten bis zum zwölften Lebensjahr. Safia al Bagdadis Buch wirkt autobiografisch, authentisch und ist amüsant und unterhaltsam geschrieben. Die Geschichte ist ganz anders als viele Romane über migrantische Familien. Trotz des kontinuierlichen Auseinanderbrechens der Familie gibt es keine Verbitterung. Das Thema des Romans ist mir neu und hat mir gut gefallen.
Auch die Charaktere sind glaubhaft dargestellt, die exzentrische Oma Lyne, der Abenteurer Vater, die glamouröse Mutter, die Interaktionen und die Konversationen der Figuren waren mir jedoch zu künstlich (vor allem die Streitereien zwischen Amir und Lyne). Die Zeitsprünge sind mitunter unübersichtlich und ich wusste nicht immer, wie alt Layla gerade ist. Es gibt außerdem Szenen, die ganz aus der Geschichte fallen, die weder in der Kindheit noch in der heutigen Zeit spielen, etwa als die Mutter nach Spanien auswandert und die 16-jährigen Kinder allein in Deutschland zurücklässt. Auf diese dramatische Szene wir jedoch nicht weiter eingegangen, was mich etwas verwirrt hat.

Alles in allem hat mir der Roman inhaltlich gut gefallen. In der Umsetzung hätte ich mir jedoch ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen „leuchtenden Kindheitserinnerungen“ und dem „Verfall der Familie“ gewünscht. So bin ich mir nicht ganz sicher, was der Roman sein will.