Eine Kindheit im Schwebezustand

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leonie86 Avatar

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Safia Al Bagdadi erzählt in ihrem Roman „Unser Haus mit Rutsche“ auf berührende und zugleich leichte Weise die Geschichte der jungen Layla, die in Saarbrücken zwischen zwei Welten aufwächst. Ihr irakischer Vater ist ein charismatischer Träumer, der seiner Familie immer neue große Pläne verspricht – ein Haus mit Rutsche in den Tigris, eine Zukunft in New York –, deren Verwirklichung aber stets scheitert. Die französische Mutter hingegen entstammt einem wohlhabenden, konservativen Elternhaus, das sie mit Rebellion und Chanel Nº5 zugleich herausfordert und in sich trägt. Zwischen diesen beiden Polen aus Sehnsucht, Chaos und Eleganz erlebt Layla eine Kindheit voller Widersprüche, Leichtigkeit und Zauber. Doch als 1991 der Golfkrieg ausbricht, holen die politischen Realitäten die Familie ein. Der Vater, einst Mittelpunkt und Träumer, wird zunehmend fremd, während Layla begreift, wie zerbrechlich ihre Welt ist. Al Bagdadi gelingt es, diese Geschichte mit feinem Humor und poetischer Sprache zu erzählen. Ihr Stil ist schwebend, manchmal melancholisch, doch nie schwermütig – er trägt die Leser:innen durch eine Kindheit im Dazwischen, wo kulturelle Unterschiede, familiäre Konflikte und Identitätssuche ineinanderfließen. „Unser Haus mit Rutsche“ ist ein wunderbar kluges, warmherziges Buch über Herkunft, Zugehörigkeit und das Erwachsenwerden zwischen Welten – tief bewegend, aber ohne Pathos, leichtfüßig und doch von großer emotionaler Tiefe.