Es könnte auch ein Spiegel sein...

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Ich bin davon überzeugt, dass dieses Buch vielen Menschen, die sonst immer zwischen den Stühlen stehen, für 300 Seiten ein Zuhause schenken kann, mit dem sie sich identifizieren können. Hier geht es nicht einfach nur um eine Vater-Tochter-Beziehung, sondern auch darum, seine eigene Identität zwischen zwei Kulturen zu finden, von denen gesagt wird, sie könnten nicht zusammen existieren. Aber beide sind sie Teil von einem. Ungelogen: Des Öfteren habe ich während des Lesens Momente der Katharsis verspürt, nicht selten fand ich mich selbst auf einer Therapie-Couch wieder. Angenehm, wenn das Lesen über reine Unterhaltung hinaus noch weitere Ziele verfolgt.
Das gesponnene Netz an Figuren hätte spannender nicht sein können, ich mochte die mysteriöse Tiefe, die ihnen durch die tief verstrickte Erzählerin verliehen wurde. Ich bin ein großer Fan aus den fragmentarischen Erinnerungshappen, die erst am Ende ein vollständiges Bild der Geschichte ergeben, wenn überhaupt. Für meinen Geschmack hätte es am Ende noch weitergehen können. Aber die Autorin hat sich für ein Ende entschieden, was gerade groß in Mode ist und auch sehr gut passte, allerdings ein klein wenig vorhersehbar war. Das Wechselspiel aus Vorausdeutungen und Verknüpfungen bzw. Wiederaufgreifen von gestreuten Anekdoten hat mich dagegen sehr überzeugt. Auch das nahezu nahtlose Verzahnen der zeitlichen Ebenen garantiert einen großen Lesespaß, zumal das Setting in den Achtzigern neben Nostalgie auch einen ereignisreichen gesellschafts-politischen Rahmen bietet.

Weniger gefallen hat mir dagegen der Schreibstil. Es hat leider einige Zeit gedauert, bis ich warm mit ihm wurde und ich bin fest davon überzeugt, dass er sich wirklich über das Buch hinweg gebessert hat und am Ende doch durch seine Individualität überzeugen konnte. Aber erst erwies er sich als aufgesetzt, mühselig und vor allem viele Dialoge wirkten gestellt.
Was dagegen besonders positiv heraussticht, ist das subtile Einbinden sprachlicher Bilder und das Spiel mit fantastischen und klaren Momenten der Erinnerung in Form einer Art Bewusstseinsstrom.

Hervorzuheben ist auch eine Besonderheit im Aufbau des Buches: Die vielen verheißungsvoll betitelten Unterkapitel, die nicht nur den Lesefluss anregen, sondern auch den fragmentarischen Charakter befeuern.

Und hinter allem steht, was auch schon der Titel offenbart: Gemeinsame Träume, die eine Familie zusammenhalten bzw. implodieren lassen. Eine wirklich großartige Romanidee mit einer doch rückblickend überzeugenden Umsetzung!