Geplatzte Träume

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Die Autorin Safia Al Bagdadi verknüpft in ihrem bewegenden Familienroman „Unser Haus mit Rutsche“ zwei zeitliche Erzählperspektiven ihrer Ich-Erzählerin Layla: Die ihrer Kindheit und als junge Frau, die in Paris nach beruflicher und persönlicher Sicherheit sucht. Im Mittelpunkt ihrer atmosphärischen Schilderungen steht ihr aus dem Irak stammende Vater und die bildschöne Mutter.

Layla lebt derzeit in Paris, versucht sich als Schriftstellerin und Schauspielerin, aber innere Zweifel und Zerrissenheiten lassen sie nicht wirklich durchstarten. Sie sucht Hilfe bei einer Psychologin und ringt mit sich, Nähe zuzulassen und nicht zu vereinsamen. Ausführlich und eindringlich schweifen ihre Gedanken und Erinnerungen zurück in die Kindheit. Zusammen mit ihrem Bruder Nouri wächst sie mit einem exzentrisch-verträumten Vater auf, der geheimnisvolle Geschäfte im Nahen Osten führt und der Familie irgendwann ein großes Haus mit Rutsche am Tigris verspricht.

Humorvoll und doch auch melancholisch verbindet Safia Al Bagdadi zahlreiche Anekdoten aus der Familiengeschichte mit der Perspektive einer Erwachsenen, die im Dazwischen aufgewachsen ist. Nach außen schillernd, machen sich im Inneren der Familie mit Beginn des Golfkrieges tiefgreifende Probleme breit: Dem Vater brechen durch das Embargo die Geschäfte weg und er beginnt sich fanatisch zu radikalisieren, nachdem er hilflos mitansehen muss, was mit seinen Verwandten im Irak geschieht.

In drei Teilen mit vielen kleineren Kapiteln spürt Layla berührend ihrer Biografie nach – besonders packend ist ihre Reise als Kind nach Bagdad, wenn sie mit Kinderaugen und zahlreichen Fragen das Land ihres Vaters entdeckt. Safia Al Bagdadi erzählt eindringlich und leichtfüßig, obwohl in der Geschichte viel Leid steckt und der märchenhafte Blick des Kindes auf die Eltern später in schmerzvolle Erkenntnisse führt. Ein emotional bewegender Roman über bleibende familiäre Verstrickungen, der sich aber manchmal in den Erzählperspektiven etwas verliert.