Kindheit zwischen zwei Welten

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„Unser Haus mit Rutsche“ ist ein Roman, der mich vor allem durch seine ungewöhnliche Mischung aus Leichtigkeit und Schwere beeindruckt hat. Im Zentrum steht eine Protagonistin, die zwischen zwei Kulturen aufwächst – geprägt von einem irakischen Vater und den Spannungen, die diese Herkunft mit sich bringt. Besonders eindrücklich sind die frühen Kindheitsjahre: Der Vater erscheint zunächst als liebevoller, fast magischer Geschichtenerzähler, der mit seiner Fantasie eine schillernde, warme Welt für seine Kinder erschafft. Mit dem Beginn des Golfkriegs kippt diese Idylle jedoch spürbar, und seine Persönlichkeit verändert sich auf eine Weise, die die Familie zunehmend belastet.

Was mich beim Lesen berührt hat, ist diese feine Balance zwischen Tragik und Komik. Trotz der politischen und familiären Schwere schafft es das Buch immer wieder, Momente von Humor und Absurdität einzubauen, die sich sehr echt anfühlen – fast so, als wäre das Lachen eine Art Überlebensstrategie. Gerade diese tragikomische Erzählweise hat mir das Gefühl gegeben, der Protagonistin sehr nah zu sein.

Gleichzeitig hatte ich stellenweise das Gefühl, dass der Text sehr sprunghaft und fragmentarisch ist. Manche Szenen wirken eher wie Momentaufnahmen als wie eine durchgehend fließende Erzählung, was zwar stilistisch interessant ist, mich aber auch oft aus dem Lesefluss gerissen hat. Trotzdem passt diese Form irgendwie auch zur Geschichte selbst – zu den Brüchen in der Biografie und den widersprüchlichen Erfahrungen zwischen Kindheit, Familie und politischer Realität.

Insgesamt ist „Unser Haus mit Rutsche“ für mich ein eindringliches, persönliches Buch, das noch lange nachwirkt – gerade weil es sich nicht immer glatt lesen lässt, sondern an manchen Stellen bewusst sperrig bleibt.