Körper sind niemals verhandelbar!

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downey_jr Avatar

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Dem Buch „Unshame: Wie wir uns von Idealen befreien und den weiblichen Körper wertschätzen“ von Louisa Dellert habe ich schon lange sehnsüchtig entgegengefiebert und ich muss sagen: zu Recht, denn es gehört definitiv zu meinen diesjährigen Sachbuch-Jahreshighlights!

Die Autorin und Aktivistin rechnet hier gnadenlos mit toxischen Schönheitsidealen ab.
Sehr offen und ehrlich erzählt sie anhand ihrer eigenen Lebensgeschichte, was viele von uns selbst auch kennen: wir finden uns zu dick, zu dünn, zu untrainiert, zu alt, zu hässlich, sprich: einfach nicht „perfekt“.
Von klein auf „lernen“ wir, wie Frauenkörper aussehen sollen – dass dahinter eine riesige Schönheits- und Diätindustrie steckt, die Milliarden mit der Scham und den Selbstzweifeln der Frauen verdient, kann gar nicht oft genug betont werden.
Neben diesem Aspekt deckt das Buch ein großes Themengebiet ab, von der Auseinandersetzung mit dem „Pretty Privilege“ und „White Privilege“, Modetrends und sich wandelnde Schönheitsideale, Body Positivity, dem Einfluss von sozialen Medien bis hin zu Diäten und Schönheitsoperationen.

Louisa Dellert gibt tolle Empfehlungen für weiterführende Literatur und Social-Media-Accounts und baut nach jedem Kapitel „Mitmach-Elemente“ ein, die ich besonders wertvoll fand:

„.... denk daran, dass dein Wert nie von einer Zahl auf einer Waage abhängt.
.... denk daran, dass dein Körper dich bis hierher m getragen hat - auch durch Zeiten, in denen du ihn nicht mochtest.
... denk daran, dass dein Körper kein Projekt ist, sondern dein Zuhause
... denk daran, dass Scham ein Geschäftsmodell ist.
.... denk daran, dass du dein Leben nicht in Kalorien erinnern wirst.“

Durch die Mischung aus Fakten und persönlicher Geschichte ist das Buch besonders wertvoll. Ich werde es sicher noch öfter lesen; ich habe mir so viele Stellen markiert, dass ich hier wirklich nur ein paar Ausschnitte zitieren kann, um den Rahmen nicht zu sprengen.

„Erst heute, viele Jahre später weiß ich: ich hätte mich für all das niemals schämen müssen. Niemand hatte jemals das Recht, mir einzureden, dass mein Körper eine Dauerbaustelle ist. Oder dass ich erst schrumpfen muss, um geliebt zu werden. Und überhaupt: Mein Körper hätte verdammt noch mal niemals verhandelbar sein dürfen!“

„Unshame“ ist ein gleichermaßen persönliches wie politisches Manifest von Louisa Dellert, das den gesellschaftlichen Optimierungswahn anprangert: Ein sehr wertvoller und ermutigender Aufruf, sich von unrealistischen Schönheitsidealen zu lösen und dem eigenen Körper mit Respekt und Versöhnung zu begegnen.

„Und vielleicht ist es das, was wir uns immer wieder vor Augen führen sollten: dass die eigentliche Größe eines Menschen nichts mit seinem Umfang zu tun hat.“

„Ich versuche, jede Falte in meinem Gesicht als Mittelfinger ans Patriarchat zu betrachten.“

Von mir gibt es 5 Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung!

Vielen Dank an den Ullstein/Allegria Verlag und an Vorablesen.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚