Schluss mit der Scham für allen möglichen Quatsch
Bei diesem Buch hatte ich erst gegrübelt, weil ich mich ja doch schon seit einer ganzen Zeit mit Feminismus beschäftige (bereits als Teenager und das ist doch schon einige Zeit her). Ich mag Louisa Dellert auf Social Media sehr gerne, hatte mich aber gefragt, ob mich das Buch noch an der richtigen Stelle abholen kann. Den Ausschlag gab dann die Hörprobe, weil mir der Vortrag von Luise Georgi so richtig gut gefiel. Um es schon mal vorweg zu nehmen: Georgis Lesung gefiel mir so gut, dass ich mich nun frage, warum ich bislang noch nie etwas gehört haben. Mit Georgi gibt es sogar mehrere Hörbücher von bell hooks und schon allein deswegen wird es nicht das letzte Buch sein, das ich von ihr gehört habe.
Es lag aber nicht nur an Georgis Lesung, dass mich Dellerts Buch richtig gut abholen konnte, auch wenn es vermutlich für Einsteigende ins Thema mehr geeignet ist als für Feminismus-Erfahrene. (Das liegt vielleicht auch daran, dass so Erklärungen wie Intersektioinalität oder die Buchtipps dann nicht gebraucht werden. Was aber passierte: Ich konnte mich beim Hören wirklich ganz oft selbst hinterfragen. Dellert ist circa ein Jahrzehnt jünger als ich und ich habe mir gerade in meiner Teenagerzeit wenig Gedanken um mein Gewicht gemacht bzw. machen müssen. Und dann schon immer die Beschäftigung mit feministischen Themen. Berührend fand ich Dellerts Erzählung, wie sie die patriarchale Demontage von ihren Idolen wie z.B. Britney Spears als Jugendliche tief getroffen hat. Und sie schafft ein absurdes Sammelsurium, für welchen Quark wir Frauen (oder weiblich gelesen), wir uns denn alles noch alles schämen sollen müssten – in den Augen des Patriarchats oder der Schönheitsindustrie. Was für ein Gedanke, dass wir zwar Jobs kündigen könnten, aber irgendwie trotzdem Angestellte der Schönheitsindustrie blieben.
Durch Dellerts sehr persönliche Erfahrungserzählung wurde mir an mehreren Stellen aber richtig schmerzlich bewusst, wie sehr mich "Shame" trotzdem ganz tief motiviert hat, bestimmte Dinge zu tun oder zu lassen. Obwohl Diäten etc. in meiner Familie wenig thematisiert wurden, war es doch die ständige Bewertung von anderen Körpern, die doch dann immer mitschwang. Das weiß ich zwar schon eine ganze Zeit, aber irgendwie kickte es beim Lesen/Hören hier nochmal mehr. Und gerade das Thema Zunehmen durch (chronische) Erkrankung und die Bewertung des Körpers nach einer Schwangerschaft konnte mich zusätzlich abnehmen.
Dellert schafft hier durchaus das Kunststück, dass sie Leute gut abholt, die sich erstmals mit Körperbildern, Male Gaze und patriarchaler Unterdrückung beschäftigen, aber auch für Feminismus-Erfahrene meiner Meinung nach immer noch viel dabei ist. Das liegt an Dellerts unterhaltsamen Stil, aber auch an ihrer Ehrlichkeit dem gegenüber, wie sie als Fitnessinfluencerin früher selbst zu bestimmten (Markt-)Mechanismen beitrug, sowie an ihrem Respekt anderen marginalisierten Gruppen gegenüber.
Meine 4,5-Sterne-Bewertung runde ich daher sehr gerne auf – auch wegen der wirklich wundervollen Lesung von Luise Georgi, die auch beim "Nebenbei"-Hören absolut im Gedächtnis bleibt. Irgendwie hilft mit das Buch gut, weiter diesen Gedanke zu verfolgen, den Dellert so schön formuliert. Und ich hoffe, dass das immer mehr Frauen und Queres so sehen können:
"Ich versuche jede Falte in meinem Gesicht, als Mittelfinger ans Patriarchat zu betrachten."
Es lag aber nicht nur an Georgis Lesung, dass mich Dellerts Buch richtig gut abholen konnte, auch wenn es vermutlich für Einsteigende ins Thema mehr geeignet ist als für Feminismus-Erfahrene. (Das liegt vielleicht auch daran, dass so Erklärungen wie Intersektioinalität oder die Buchtipps dann nicht gebraucht werden. Was aber passierte: Ich konnte mich beim Hören wirklich ganz oft selbst hinterfragen. Dellert ist circa ein Jahrzehnt jünger als ich und ich habe mir gerade in meiner Teenagerzeit wenig Gedanken um mein Gewicht gemacht bzw. machen müssen. Und dann schon immer die Beschäftigung mit feministischen Themen. Berührend fand ich Dellerts Erzählung, wie sie die patriarchale Demontage von ihren Idolen wie z.B. Britney Spears als Jugendliche tief getroffen hat. Und sie schafft ein absurdes Sammelsurium, für welchen Quark wir Frauen (oder weiblich gelesen), wir uns denn alles noch alles schämen sollen müssten – in den Augen des Patriarchats oder der Schönheitsindustrie. Was für ein Gedanke, dass wir zwar Jobs kündigen könnten, aber irgendwie trotzdem Angestellte der Schönheitsindustrie blieben.
Durch Dellerts sehr persönliche Erfahrungserzählung wurde mir an mehreren Stellen aber richtig schmerzlich bewusst, wie sehr mich "Shame" trotzdem ganz tief motiviert hat, bestimmte Dinge zu tun oder zu lassen. Obwohl Diäten etc. in meiner Familie wenig thematisiert wurden, war es doch die ständige Bewertung von anderen Körpern, die doch dann immer mitschwang. Das weiß ich zwar schon eine ganze Zeit, aber irgendwie kickte es beim Lesen/Hören hier nochmal mehr. Und gerade das Thema Zunehmen durch (chronische) Erkrankung und die Bewertung des Körpers nach einer Schwangerschaft konnte mich zusätzlich abnehmen.
Dellert schafft hier durchaus das Kunststück, dass sie Leute gut abholt, die sich erstmals mit Körperbildern, Male Gaze und patriarchaler Unterdrückung beschäftigen, aber auch für Feminismus-Erfahrene meiner Meinung nach immer noch viel dabei ist. Das liegt an Dellerts unterhaltsamen Stil, aber auch an ihrer Ehrlichkeit dem gegenüber, wie sie als Fitnessinfluencerin früher selbst zu bestimmten (Markt-)Mechanismen beitrug, sowie an ihrem Respekt anderen marginalisierten Gruppen gegenüber.
Meine 4,5-Sterne-Bewertung runde ich daher sehr gerne auf – auch wegen der wirklich wundervollen Lesung von Luise Georgi, die auch beim "Nebenbei"-Hören absolut im Gedächtnis bleibt. Irgendwie hilft mit das Buch gut, weiter diesen Gedanke zu verfolgen, den Dellert so schön formuliert. Und ich hoffe, dass das immer mehr Frauen und Queres so sehen können:
"Ich versuche jede Falte in meinem Gesicht, als Mittelfinger ans Patriarchat zu betrachten."