Von der Kraft der weiblichen Inspiration

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Wer bei dem Wort „Muse“ zuerst an eine schöne Frau denkt, die irgendwo im Hintergrund eines berühmten Künstlers steht, bekommt mit Unsichtbare Musen offenbar eine ziemlich interessante neue Perspektive. Genau dieser Gedanke hat mich an der Leseprobe angesprochen: Wie viele Frauen kennen wir eigentlich nur deshalb, weil sie mit einem berühmten Mann verbunden waren, obwohl sie selbst viel mehr waren als seine Inspiration oder Partnerin? Besonders spannend finde ich, dass Elisa von Hof diesen bekannten Begriff auseinandernimmt und zeigt, wie viel Arbeit hinter dem steckt, was später als „Genie“ eines einzelnen Künstlers gefeiert wird. Eine Muse musste offenbar nicht nur inspirieren, sondern konnte genauso gut organisieren, korrigieren, unterstützen oder selbst künstlerisch tätig sein. Dass dabei Frauen wie Gala Dalí, Sofja Tolstaja oder Lee Krasner in den Mittelpunkt gerückt werden, macht mich neugierig, weil ich bei einigen Namen zwar die Männer kenne, mit denen sie verbunden waren, aber über die Frauen selbst deutlich weniger weiß. Ich mag außerdem die Idee, die großen Geschichten der Kunst- und Kulturgeschichte einmal aus dieser anderen Perspektive zu betrachten. Dadurch wirkt das Buch für mich nicht wie eine reine Sammlung von Biografien, sondern eher wie ein Versuch, das Bild vom einsamen männlichen Genie zu hinterfragen. Besonders interessant finde ich die Frage, wie viele berühmte Werke oder Karrieren vielleicht ganz anders ausgesehen hätten, wenn man die Frauen dahinter nicht so lange unsichtbar gemacht hätte. Die Leseprobe hat bei mir deshalb vor allem Neugier ausgelöst, weil ich das Gefühl habe, dass ich beim Weiterlesen einige bekannte Geschichten noch einmal völlig anders betrachten würde.