Wenn die Muse endlich selbst erzählt

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Der Einstieg mit Augusta Britt und Cormac McCarthy hat mich sofort gepackt: eine 17-Jährige mit Revolver an der Hüfte, die Jahrzehnte später ihre eigene Geschichte erzählt, statt nur Stoff für die Bücher eines anderen zu sein. Genau darum scheint es in diesem Buch zu gehen, und das finde ich total überfällig.

Elisa von Hof seziert klug und pointiert, warum wir bei „Genie" automatisch an einen Mann denken und bei „Muse" an eine schöne, passive Frau, die inspiriert, tröstet und dient, aber nie selbst schafft. Der Bogen von den antiken Musen über Dante und Picasso bis zu Yves Kleins „lebenden Pinseln" zeigt eindrücklich, wie sich dieses Machtgefälle über Jahrhunderte festgesetzt hat.

Besonders spannend finde ich den Gedanken, dass die Abwertung der Muse und die Aufwertung des männlichen Künstlergenies sich gegenseitig bedingen. Das ist fundiert recherchiert, ohne trocken zu wirken, und macht neugierig auf die einzelnen Frauenporträts, die noch folgen. Ich will unbedingt weiterlesen und endlich mehr über die Frauen hinter den großen Namen erfahren.