Die Entzauberung des Genies

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nanacookie Avatar

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Das (männliche) Genie und seine (weibliche) Muse. Eine einfache Annahme hinter der so viel mehr steckt. Elisa von Hof geht in ihrem Sachbuch dem Mythos Muse (und auch dem Mythos Genie) auf den Grund. Denn beides ist so stark miteinander verbunden, dass sie sich nicht voneinander getrennt betrachten lassen. 

Für dieses Buch braucht man (vor allem als Frau) starke Nerven. Die Recherche der Autorin führt so deutlich vor Augen, wie Frauen systematisch ausgenutzt, verdrängt, klein gemacht und unterdrückt wurden, damit Männer ihre Kunst erschaffen und sich als Genies feiern lassen konnten. Manchmal war es kaum zu ertragen, zu lesen, was den Frauen von ihren „Genies“ angetan wurde und was sie in ihrem Leben durchleiden mussten. Nicht alle betrachteten Künstler haben ihre Musen grundsätzlich schlecht behandelt, aber ohne die Frauen in ihren Leben, hätte keiner der Männer die Kunst schaffen können, die wir heute kennen. Und bis heute ist nicht anerkannt, welchen Anteil die Frauen an dieser Kunst haben. In einigen Fällen wird es auch nie mehr möglich sein, es ganz nachzuvollziehen. 

Das Buch ist in die (Haupt-)Rollen, die die Musen für ihre Künstlermänner übernommen haben, aufgeteilt. Obwohl schnell klar wird, dass keine der Frauen nur eine Aufgabe übernahm. Es werden hauptsächlich die Musen von klassischen Künstlern, wie Picasso oder Tucholsky, betrachtet, aber auch „Genies“ der neueren Zeit haben einen Anteil, wie z.B. Karl Lagerfeld oder Hitchcock. Manchmal springt die Autorin in ihren Ausführungen etwas, aber größtenteils ist es ein gut aufgebautes Sachbuch mit Fakten, Zitaten und vielen Anekdoten.

Für mich zeigt das Buch auch, dass sich Künstler/in und Kunst nur selten voneinander trennen lassen. In der meisten Kunst stecken Erfahrungen, Erlebnisse, Erinnerungen, Gedanken und Moralvorstellungen der schaffenden Person. Die Kunst ist ein Teil der Person. 

Es ist eine sehr wichtige Recherche, die geballt zeigt, welchen großen Anteil Frauen an bekannter Kunst haben, die ansonsten nicht in dieser Form existieren würde und sie trotzdem bis heute nicht die entsprechende Anerkennung dafür erhalten. Vor allem wenn in der Schule solche Künstler behandelt werden, müssen die Musen und ihre Arbeit daran auch besprochen werden.