Ich möchte bitte von allen Frauen jetzt ganze Biorgraphien lesen

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regentänzerin Avatar

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So ein interessantes Buch! Elisa von Hof setzt sich mit zahlreichen Genies und ihren Musen auseinander, dekonstruiert, was diese Bezeichnungen eigentlich bedeuten und zeigt schonungslos auf, welche Beziehungen und Dynamiken meist strukturell dahinter stecken. Nach der Lektüre wollte ich über all die spannenden Frauen und ihre Lebensgeschichten ganze Biographien statt nur Kapitelteile lesen. Und über die Männer, diese achso tollen Genies... bei vielen ist mir schlecht geworden, bei fast allen kam die Wut. Darum geht es natürlich genau. Aber gerade auch die Kapitel und Einschübe, die zeigen, dass wir hier nicht nur vom 18. und 19. Jahrhundert sprechen, sondern bestimmte Strukturen auch heute noch vorherrschen und sich eben den aktuellen Gegebenheiten von Öffentlichkeit und Medialität angepasst haben, machen nur umso deutlicher, wie gefangen in patriarchalen Strukturen und Denkmustern wir alle sind. Spannend fand ich insbesondere auch am Ende den Denkanstoß, warum es bei Filmen einen Abspann mit allen Beteiligten gibt (und so zumindest ein bisschen Credit an andere als nur das Regiegenie), bei Plaketten im Museum aber beispielsweise nicht.

Der Einstieg ins Buch war für mich zugegeben erstmal etwas schwieriger, da (sinnvollerweise) man sich erstmal an ein bisschen Theorie zu Muse und Genie abarbeiten muss. Aber spätestens als die einzelnen Geschichten zu real existierenden Personen anfingen, hatte mich das Buch. Hinter dem Text muss sehr viel Recherche gesteckt haben (das entsprechende Literaturverzeichnis kommt auf knapp 50 Seiten). Ein kleiner Kritikpunkt meinerseits ist, dass nicht immer ganz ersichtlich ist, was belegter Fakt und was Interpretation ist. Natürlich ist gerade das Problem des Analysegegenstandes, dass es so wenig Forschung zu den unsichtbaren Musen und verifizierte Quellen gibt.

Ein paar Worte noch zur Zielgruppe: Es ist wahrscheinlich kein Buch für Leute, die sich nicht sowieso schon für Kunst, Kultur und Feminismus interessieren. Ich wünschte natürlich es wäre anders. Aber ein gewisses Maß an ehrlichem Interesse für das Thema, aber auch ein gewisses Wissen über Kunst- und Kulturgeschichte sind wahrscheinlich Voraussetzung, um das Buch nicht abzubrechen. Ich bin zwar nicht sehr bewandert in Malerei (und habe daher trotz guter Beschreibung einige Bilder gegoogelt für besseres Verständnis), aber zumindest die Namen aller hier sezierten Genies (und zum Glück auch mancher Musen) sind mir bereits untergekommen. Ich würde daher ein bisschen anzweifeln, wie viel Zugang man zum Buch hat, wenn man vorher noch gar keine Berührung mit irgendeinem der Themen oder Personen hatte. Aber das ist ja auch völlig in Ordnung, jedes Buch hat seine Zielgruppe.

Ich jedenfalls würde das Buch absolut empfehlen, wenn man sich für Kunst, Kultur, Literatur, Frauenbiographien und/oder feministische Geschichtsschreibung interessiert. Mir haben sich hier viele neue Blickwinkel und Denkanstöße ergeben.