Interessant und gut zu lesen

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majca_ Avatar

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"Die Muse verleiht dem Genie ein menschliches Antlitz. Es kann sich weiterhin als denkender, geistreicher Kopf inszenieren, ohne auf Sinnlichkeit verzichten zu müssen. Die stiftet schließlich die Muse. Sie macht das Genie komplett."

Die Ausgangsthese, dass hinter den großen männlichen Künstlern und Kulturschaffenden (und Wissenschaftlern, Politikern, …) häufig Frauen standen und stehen, deren Einfluss und eigene Leistungen weitgehend unsichtbar bleiben, ist natürlich nicht neu. Mit diesem Buch ist die Autorin jedoch bestrebt den Begriff der Muse als eine passive Quelle der Inspiration in das rechte Licht zu rücken. Dazu widmet sie ihre Aufmerksamkeit auch konkreten Frauen der Geschichte.

Die Vermittlung dieser Gedanken und Informationen halte ich für hervorragend gelungen. Das Buch erklärt gerade genug, um auch Leser:innen ohne großes Vorwissen mitzunehmen, ohne sich in Hintergrundinformationen zu verlieren. Gleichzeitig sind die Schilderungen zu den einzelnen Frauen ausführlich genug, um mehr zu sein als ein Umriss der Person zur Unterstützung ihrer These. Insgesamt wirkt es gut recherchiert, kenntnisreich und trotzdem unterhalten – ich kann mir das Ganze auch ausgesprochen gut als Hörbuch vorstellen. Für ein jüngeres Publikum, dass sich für Feminismus, Kunst und Kultur interessiert ist es eine hervorragende Wahl.

Mein einzig wirklicher Kritikpunkt ist der Schreibstil. Die Autorinnenstimme ist sehr präsent, wertet viel und ist ausgesprochen gegenwartsbezogen. Umgangssprache, Internet Slang, und popkulturelle Bezüge bestimmen den Ton den Buchen. Das muss man mögen, mein Ding ist es nicht. Der Tiefpunkt war vermutlich: „Aber Nabokov war nicht delulu.“
Sicherlich verstehe ich, was damit erreicht werden soll. Das Buch soll zugänglich, unterhaltsam und nahbar sein. Unglücklicherweise kann ich mir vorstellen, dass selbst die jüngste Generation den Schreibstil als millennial cringe empfinden wird. Glücklicherweise konnte es mich jedoch nicht davon abgehalten das Buch trotzdem durchweg mit großem Interesse zu lesen.

Ich frage mich bloß, ob man einem ansonsten so fundierten und inhaltlich zeitlosen Sachbuch damit nicht unnötig eine kurze Halbwertszeit verpasst hat.

Unterm Strich überwiegt für mich somit eindeutig der Inhalt. Ich habe einiges gelernt, fand die vorgestellten Frauen und Geschichten spannend und hatte bis zum Ende das Gefühl, dass das Buch genau das erreicht, was es erreichen wollte.

"Wenn wir uns von dem Mythos der absoluten künstlerischen Autonomie und der stummen Assistenz verabschieden, wenn niemand mehr Genie und niemand mehr Muse sein muss, können alle mehr Mensch sein."