Klug und weitreichend

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Elisa von Hof gibt in diesem intensiv recherchierten, wissensreichen Buch einen Abriss des ‚Genie“- und ‚Musen‘-Begriffs und beschäftigt sich dann mit der Beziehung zwischen (männlichem) Künstler und (meist weiblicher) Muse. Das Buch erzählt von Christiane Vulpius, Sofja Tolstaja, Gala Dalí, Vera Nabokov, Uma Thurman und vielen anderen (überwiegend) Frauen, die ‚ihren‘ Männer nicht nur durch Organisation, Planung und Care-Arbeit den Rücken freihielten, was diese erst dazu ermächtigte, sich privilegiert voll und ganz der Kunst widmen zu können, sondern in vielen der geschilderten Fälle waren die Musen auch maßgeblich selbst an der Erschaffung der Kunst beteiligt, die Arbeit viel mehr Kollaboration als überliefert bzw. gemeinhin bekannt ist.

„Unsichtbare Musen“ ist dabei nicht daran gelegen, den Stellenwert der besprochenen Kunst zu negieren oder den sogenannten Genies grundsätzliches Talent abzusprechen, sondern andersherum das Talent und den enormen Anteil, den die Musen hatten, hervorzuheben und zu verdeutlichen. Es ist ein Sichtbarmachen nicht nur speziell der im Text genannten Frauen, sondern generell von gesellschaftlichen Mechanismen, die die Arbeit von Frauen oft verdrängen oder Männern zuschreiben, ob durch egozentrische Selbstinszenierung jener Männer selbst oder durch einen Blick von außen.

Elisa von Hof lädt in dem geschichtlich weitreichenden Abriss ihrer klugen Ausführungen dazu ein, den ‚Genie‘-Begriff und das allgemeine Verständnis von Kunst und deren Entstehungsprozess zu hinterfragen, abseits des allgemeinen Verständnis von Kulturgeschichte.