Mehr als Musen
Elisa von Hofs "Unsichtbare Musen" - was für ein Buch! Es zeigt, wie Frauen systematisch klein gemacht und klein gehalten werden, wie ihre Rolle heruntergespielt wurde, ganz gleich welchen Einfluss sie auf wichtige Kunstwerke hatten. Frauen und Männer werden mit zweierlei Maß gemessen. ganz deutlich wird dies in einer Anekdote zum Coverbild: Das Bild der jungen Zeichnerin wurde lange Zeit dem Künstler Jacques-Louis David zugeschrieben und als brillant beschrieben. Allerdings stellte sich bei einer Analyse heraus, dass es wohl eine seiner Schülerinnen war (vermutlich Marie-Denise Villiers). Und schon finden Kritiker Mängel an diesem grandiosen Werk.
Aber zurück zum eigentlichen Thema: den Frauen, die hier Musen genannt werden. Nach einem kurzen Abriss über die Historie des Begriffs und der Einordnung des Typus "Genie" (denn eines ist ohne das andere kaum denkbar) folgen die Beispiele. Und die haben es in sich. Frauen, die ihre Gesundheit, ihre eigenen Karrieren und Talente geopfert haben und sich ganz in den Dienst ihrer Männer gestellt haben und zum Dank dafür versteckt, verleumdet und erniedrigt wurden - teilweise von den "Genies" selbst, teilweise von der Nachwelt. Sehr an die Nieren ging mir das Schicksal von Sofja Andrejwna Tolstaja, aber auch Christiane Vulpius und Lee Krasner hatten es nicht leicht. Tatsächlich sind einige der "Genies" ziemliche Drecksäcke.
Aber dem armen gequälten Genie wird eben so einiges verziehen, auch physische oder psychische Gewalt.
Von Hof zeigt auch, dass es nicht so einfach für Frauen ist, sich überhaupt in der Kunst durchzusetzen, soziale und ökonomische Gründe spielen hier natürlich eine große Rolle. Hier wird Virginia Woolfs "A Room of One's Own" zitiert, der tatsächlich bahnbrechend war.
All das ist gut recherchiert (der Anhang ist inklusive Register mindestens 50 Seiten lang) und leserfreundlich formuliert. Ein wenig gestört haben mich die vielen Anglizismen, manche davon sind mit Sicherheit inzwischen in den Sprachgebrauch eingeflossen, aber ein "gejudgt" blieb mir einfach negativ in Erinnerung. Das ist allerdings jammern auf hohem Niveau, das Buch an sich ist wirklich großartig und wichtig. Klare Leseempfehlung!
Aber zurück zum eigentlichen Thema: den Frauen, die hier Musen genannt werden. Nach einem kurzen Abriss über die Historie des Begriffs und der Einordnung des Typus "Genie" (denn eines ist ohne das andere kaum denkbar) folgen die Beispiele. Und die haben es in sich. Frauen, die ihre Gesundheit, ihre eigenen Karrieren und Talente geopfert haben und sich ganz in den Dienst ihrer Männer gestellt haben und zum Dank dafür versteckt, verleumdet und erniedrigt wurden - teilweise von den "Genies" selbst, teilweise von der Nachwelt. Sehr an die Nieren ging mir das Schicksal von Sofja Andrejwna Tolstaja, aber auch Christiane Vulpius und Lee Krasner hatten es nicht leicht. Tatsächlich sind einige der "Genies" ziemliche Drecksäcke.
Aber dem armen gequälten Genie wird eben so einiges verziehen, auch physische oder psychische Gewalt.
Von Hof zeigt auch, dass es nicht so einfach für Frauen ist, sich überhaupt in der Kunst durchzusetzen, soziale und ökonomische Gründe spielen hier natürlich eine große Rolle. Hier wird Virginia Woolfs "A Room of One's Own" zitiert, der tatsächlich bahnbrechend war.
All das ist gut recherchiert (der Anhang ist inklusive Register mindestens 50 Seiten lang) und leserfreundlich formuliert. Ein wenig gestört haben mich die vielen Anglizismen, manche davon sind mit Sicherheit inzwischen in den Sprachgebrauch eingeflossen, aber ein "gejudgt" blieb mir einfach negativ in Erinnerung. Das ist allerdings jammern auf hohem Niveau, das Buch an sich ist wirklich großartig und wichtig. Klare Leseempfehlung!