Unerzählte Geschichten

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fräuleinmöhri Avatar

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Es wird allerhöchste Zeit, dass ihre Geschichten erzählt werden, die Geschichten der Frauen, die hinter all den berühmten und gefeierten Männern stehen: Goethe, Dalí, Tolstoi, Quentin Tarentino, Alfred Hitchcock. Die Liste ist unendlich lang.

Elisa von Hof erzählt in "Unsichtbare Musen. Frauen, die unsere Welt veränderten" detailliert von der unausgesprochenen, verheimlichten oder gar geleugneten Abhängigkeit der Männer von ihren Frauen, Affären, Geliebten - in der Vergangenheit wie auch in der Gegenwart.
Intensiv setzt von Hof sich in der Einführung mit dem Musen-Begriff auseinander, bevor sie detailliert, teilweise miteinander verknüpft, die Lebensgeschichten zahlreicher Frauen erzählt. Man bzw. frau möchte schreien, bei all der Ungerechtigkeit, der unbezahlten, ungesehenen, ungewürdigten Leistung dieser Frauen: Christiane Vulpius, die Goethe den Rücken frei hielt, in dienstlichen Angelegenheiten seine Stellvertreterin gab und trotzdem erst nach fast zwanzig Jahren von ihm geehelicht wurde und erst dann soziale Sicherheit erlangte.
Gala Dalí, ohne deren Geschäftssinn und Engagement wohl kaum noch einer den Mann mit dem exzentrischen Schurrbart kennen würde.
Oder Uma Thurman, ohne die Kill Bill nichts wäre, und doch bei einem Dreh ihr Leben riskierte, weil sie es einem Mann anvertraute.

Leider werden die Geschichten zu oft weiter in der Abhängigkeit von der männlichen Sicht erzählt, siehe auch die Kapiteltitel: das System Goethe/Picasso/Kanye West. Und das obwohl von Hof nicht müde wird, zu betonen, dass es ihr Ziel und Anliegen ist, das Bild des aktiven, weißen Manns zu dekonstruieren.

Zahlreiche Quellen belegen die Darstellungen, was ihr Buch höchst seriös und belastbar erscheinen lässt. Diese Glaubwürdigkeit büßt sie leider an einigen Stellen durch ihren umgangssprachlichen Ton ein: "Uff.", "Tja." stören zudem den Lesefluss und können als Mangel von Ernsthaftigkeit verstanden werden.

Von Hof sorgt auf jeden Fall für Sichtbarkeit zahlreicher Frauen, die Notwendigkeit dessen mag spätestens nach dem Buch keiner mehr bezweifeln. Es bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass deren Leben eines Tages genauso präsent im kollektiven Gedächtnis verankert sind wie das ihrer Männer.