Wichtiges Buch

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Ich habe ein bisschen gebraucht, um in dieses Buch reinzufinden. Aber sobald ich drin war, hat mich der Ton gepackt – Elisa von Hof schreibt oft so locker und nahbar, als würde eine kluge Freundin einem Geschichte erklären, statt trocken zu dozieren.

Schon die Einleitung setzt einen harten Ton: Zwei Zitate von Salvador Dalí und Pablo Picasso machen deutlich, mit welcher Verachtung diese Männer über die Frauen an ihrer Seite gesprochen haben – in einer Sprache, die streckenweise fast gewaltvoll wirkt. Ein unbequemer, aber passender Einstieg, der schon ahnen lässt, worum es im Kern geht: nicht nur darum, was diese Frauen geleistet haben, sondern auch darum, wie schlecht sie dafür behandelt wurden.

Namen wie Goethe oder Dalí kannte ich, aber wie tief die Frauen an ihrer Seite an ihrem Schaffen beteiligt waren – und was sie dafür aufgegeben haben – war mir in dieser Klarheit neu. Von Hof lenkt das Scheinwerferlicht auf Frauen, die zu Lebzeiten oft keine Anerkennung bekamen, manche sogar ausgegrenzt oder verhöhnt wurden. Umso wichtiger, dass ihnen dieses Licht jetzt, wenn auch spät, gegeben wird.

Besonders gut hat mir gefallen, wie die Autorin im Vorwort klarmacht: Es geht ihr nicht darum, das Schaffen der Männer kleinzureden, sondern sichtbar zu machen, welchen Anteil Frauen daran hatten – beides schließt sich nicht aus. Aber ist das wirklich so einfach zu trennen? Kann man ein Werk feiern und gleichzeitig ausblenden, was für Menschen die Männer dahinter waren? Ganz beantworten kann und will das Buch diese Frage nicht, aber es macht klar: Man kommt nicht umhin, sich damit auseinanderzusetzen.

Für mich ist “Unsichtbare Musen” ein Buch, das ich nicht nur Menschen empfehlen würde, die sich mit Feminismus beschäftigen, sondern allen, die sich für Geschichte oder Kunst interessieren. Es zeigt: Man kann ein Werk bewundern und sollte trotzdem einen kritischen Blick auf sein Umfeld und den Erschaffer werfen.