Historischer Krimi - thematisch interessant, aber erzählerisch weniger überzeugend

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jules&jude Avatar

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In dem Roman „Unter dem Strand“ von Turid Müller geht es um einen Kriminalfall, der mit Ereignissen mit dem Untergang der Cap Arcona in der Lübecker Bucht in Zusammenhang zu stehen scheint. Die Journalistin Cay soll eigentlich nur einen Artikel genau über dieses Unglück in der Lübecker Bucht schreiben, als sie bei ihrer Arbeit eine weibliche Leiche am Strand findet. Sie beginnt Nachforschungen, was hinter dem Tod der jungen Frau stecken könnte, stößt dabei aber auf eine eher feindselige gestimmte Dorfgemeinschaft.

Erzählt auf zwei Zeitebenen, folgt man Cay bei ihren Recherchen in der Gegenwart. In der Vergangenheit wird die Geschichte rund um das Leben von Leon im KZ Neuengamme erzählt. Besonders die Beschreibungen vom KZ haben es in sich, den die Autorin schafft es auf beklemmnde Art und Weise das grausame Häftlingsleben darzustellen. Jedoch schwang bei den Beschreibungen manchmal ein mir etwas zu ironischer Ton mit, den nicht jeder passsend für das Thema finden könnte.

Die Stärke des historischen Krimis liegt im Wechsel zwischen Gegenwarts- und Vergangenheitsebene, der einerseits für Spannung sorgt und andererseits sowie der ausführlichen Recherchearbeit, die für die Handlung seitens der Autorin getätigt wurde.

Ganz überzeugen konnte mich der Krimi nicht von sich. Zum einen wird die Handlung teilweise sehr langatmig erzählt, besonders da es sich Krimi handelt, habe ich mir einfach mehr Spannung erwartet. Zum anderen wirkt die ganze "Ermittlungsarbeit" rund um den Mord zu konstruiert und Cay als "Ermitllerin" zu abgebrüht, die ohne Kenntnisnahme der Polizei das Rätsel hinter der Toten lösen kann. Auch Cay als handelnde Person ist für mich zu oberflächlich und wenig greifbar in ihren Motiven. Mir fehlte der Zugang zu ihren Gedanken- und Gefühlswelt.

Insgesamt ist "Unter dem Strand" ein interessanter Krimi mit historischen Bezügen, der besonders da es sich um das Thema verdrängte Vergangenheit und Schweigen über die Verbrechen und die Mittäterschaft während der Nazizeit, nachhallt. Der Spannungsaufbau, die Erzähllogik und die Personenzeichnung ist jedoch noch ausbaufähig.