informativ aber sperrig

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stephi19 Avatar

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In "Unter dem Strand" recherchiert die Journalistin Cay zum Jahrestag der Cap Anaconda. Dabei geschieht ein Mord, in den sie verwickelt wird.
Ich komme gebürtig aus Lübeck und lese sehr gerne Romane aus meiner Heimatstadt, somit freue ich mich auf "Unter dem Strand" von Turid Müller. Mir gefällt die Widmung und die Autorin scheint eine spannende Person zu sein. Sie schreibt aus unterschiedlichen Perspektiven: der Sicht einer (älteren) jüdischen Frau im Jahr 2024, der Autorin Cay in 2025, von Heinrich, Rita und Oskar in 1945 und noch mehr. Vielleicht etwas viele. Und keiner der Deutschen scheint ein Nazi zu sein...Schließlich beschränken sich die unterschiedlichen Sichtweisen auf Cay in 2025 und Leon in 1941.
Ich habe nichts von den Begebenheiten am 03.Mai 1945, der Cap Arcona-Katastrophe, oder dem Massaker in Neustadt, gewusst und bin gespannt mehr zu erfahren.
Inhaltlich wirkt der Roman gut recherchiert und informativ, aber auch ein bisschen zu gewollt. Mehr eine Geschichtsstunde denn ein Roman. Und so komme ich nicht richtig in den Lese-Flow. Auch wird der Lesefluss immer wieder durch den Wechsel zwischen Cay und Leon unterbrochen und zieht sich in die Länge.
Der Schreibstil, insbesondere in Leons Abschnitten im Konzentrationslager, ist manchmal etwas lapidar. Müller nennt es selbst "Galgenhumor". Vermutlich soll das die inhaltliche Schwere etwas durchbrechen, auf mich wirkt es allerdings fehl am Platz. Auch da Müller nicht selbst jüdisch zu sein scheint.
Inhaltlich ist der Roman sehr interessant, gut recherchiert und informativ, der Schreibstil gefällt mir jedoch nicht so gut und so komme ich nicht gut in einen Lesefluss.