Zwischen Ermittlung und Erinnerung

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josephine5 Avatar

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„Unter dem Strand“ hat mich als Leseerlebnis tief beeindruckt und gleichzeitig herausgefordert. Es ist definitiv keine Lektüre für „mal eben zwischendurch“, denn die schnellen Wechsel der Perspektiven und der Wechsel zwischen moderner Krimihandlung und historischem Grauen verlangen volle Konzentration.

Die Figur der Cay ist hochinteressant, auch wenn ich mit ihr persönlich nicht ganz warm geworden bin. Sie trägt sichtlich schweren Ballast mit sich herum, wirkt aber in ihrem Weltbild oft sehr verbissen und teilt die Welt strikt in Schwarz und Weiß ein. Das mag für eine Journalistin ein Motor sein, wirkte für mich bei einer so widersprüchlichen Person aber manchmal etwas unpassend. Dennoch bleibt sie eine authentische Protagonistin, deren Zweifel und kleine Erfolge man bis zum Schluss mitfühlt.

Besonders stark ist der Roman dort, wo er zeigt, dass die grausamen Dinge der Vergangenheit bis heute Auswirkungen haben. Die Verbindung von der gescheiterten Autorin Cay, die über die Gedenkfeier zum 80. Jahrestag berichten soll, und dem Fund einer Leiche genau an diesem symbolträchtigen Ort, ist brillant konstruiert. Ein Buch, das nachhallt und uns mahnt: Wir sind nicht nur Beobachter der Geschichte, wir stehen mitten in ihren Ausläufern.

Ein spannender und emotionaler Roman für alle, die Geschichten mit Tiefgang und historischer Relevanz suchen.