Zwischen Vergangenheit und Wahrheit: Eine Spurensuche unter dem Strand
Ich habe „Unter dem Strand“ von Turid Müller gelesen und musste das Gelesene erst einmal sacken lassen. Es handelt sich nicht um einen Ostsee-Krimi im herkömmlichen Sinne, nein, es ist ein Buch, welches einen nicht sofort loslässt, weil es sich mit einem Thema beschäftigt, das sowohl aktuell als auch wichtig ist. Schon der Klappentext hat mich mit dem folgenden Satz neugierig gemacht:
»Wehret den Anfängen haben wir immer gesagt! – Das ist längst durch. Wir sind schon mittendrin.«
Im Mittelpunkt steht Cay, eine gescheiterte Autorin, die sich als Journalistin über Wasser hält und für eine Recherche in die Lübecker Bucht reist. Dort jährt sich die Katastrophe der Cap Arcona zum achtzigsten Mal – ein düsteres Kapitel der deutschen Geschichte, das bis in die Gegenwart nachwirkt. Doch noch bevor Cay richtig in ihre Arbeit eintauchen kann, stößt sie auf die Leiche einer jungen Frau. Was als Recherche beginnt, entwickelt sich zu einem Krimi und einer Konfrontation mit verdrängter Vergangenheit. Nicht nur historisch sondern auch ganz persönlich.
Ich habe die Handlung als sehr eindringlich und gleichzeitig ruhig erzählt erlebt. Der Schreibstil von Turid Müller ist unaufgeregt, fast sachlich, und entfaltet gerade dadurch eine enorme emotionale Wucht. Es gibt keine übertrieben dramatischen Ausschmückungen, sondern klare, präzise Sätze, die Raum lassen, das Geschehen selbst zu begreifen.
Besonders gelungen finde ich die Perspektivführung: Immer wieder wechselt der Blickwinkel zwischen Gegenwart und Rückblenden, von Cay zu Léon, wodurch sich nach und nach ein größeres Bild ergibt und ich deren Gedanken, Zweifel und innere Zerrissenheit sehr direkt miterleben konnte. Ich hatte das Gefühl, dass ich mich Stück für Stück an die Wahrheit herantaste und dabei nie ganz sicher sein kann, wem ich eigentlich trauen darf. Diese erzählerische Vielschichtigkeit verleiht dem Roman eine angenehme Tiefe, sodass Vergangenheit und Gegenwart sich langsam ineinander verweben.
Cay selbst ist für mich eine Figur voller Brüche. Sie wirkt verletzlich, manchmal fast verloren, und doch steckt in ihr eine Hartnäckigkeit, die sie immer weiter antreibt. Ich mochte, dass sie nicht als klassische Heldin angelegt ist, sondern als jemand, der mit sich selbst ringt und Fehler macht. Gerade das macht sie greifbar. Léon hingegen bringt eine andere Energie in die Geschichte. Er wirkt ruhiger, kontrollierter, fast wie ein Gegenpol zu Cay. Gleichzeitig bleibt er nicht eindimensional, denn bei ihm habe ich das Gefühl gehabt, dass mehr unter der Oberfläche liegt, als er zunächst zeigt.
Mir hat die Art, wie der Roman mit Erinnerung und Verantwortung umgeht, gut gefallen. Die historische Tragödie wird nicht nur als Hintergrund genutzt, sondern zieht sich wie ein leiser, bedrückender Schatten durch die gesamte Handlung. Dabei stellt sich immer wieder die Frage, wie viel von der Vergangenheit wirklich vergangen ist. Am Ende habe ich das Buch mit einem nachdenklichen Gefühl geschlossen. Es ist keine leichte Lektüre, aber eine, die lange nachhallt. ⭐⭐⭐⭐⭐
»Wehret den Anfängen haben wir immer gesagt! – Das ist längst durch. Wir sind schon mittendrin.«
Im Mittelpunkt steht Cay, eine gescheiterte Autorin, die sich als Journalistin über Wasser hält und für eine Recherche in die Lübecker Bucht reist. Dort jährt sich die Katastrophe der Cap Arcona zum achtzigsten Mal – ein düsteres Kapitel der deutschen Geschichte, das bis in die Gegenwart nachwirkt. Doch noch bevor Cay richtig in ihre Arbeit eintauchen kann, stößt sie auf die Leiche einer jungen Frau. Was als Recherche beginnt, entwickelt sich zu einem Krimi und einer Konfrontation mit verdrängter Vergangenheit. Nicht nur historisch sondern auch ganz persönlich.
Ich habe die Handlung als sehr eindringlich und gleichzeitig ruhig erzählt erlebt. Der Schreibstil von Turid Müller ist unaufgeregt, fast sachlich, und entfaltet gerade dadurch eine enorme emotionale Wucht. Es gibt keine übertrieben dramatischen Ausschmückungen, sondern klare, präzise Sätze, die Raum lassen, das Geschehen selbst zu begreifen.
Besonders gelungen finde ich die Perspektivführung: Immer wieder wechselt der Blickwinkel zwischen Gegenwart und Rückblenden, von Cay zu Léon, wodurch sich nach und nach ein größeres Bild ergibt und ich deren Gedanken, Zweifel und innere Zerrissenheit sehr direkt miterleben konnte. Ich hatte das Gefühl, dass ich mich Stück für Stück an die Wahrheit herantaste und dabei nie ganz sicher sein kann, wem ich eigentlich trauen darf. Diese erzählerische Vielschichtigkeit verleiht dem Roman eine angenehme Tiefe, sodass Vergangenheit und Gegenwart sich langsam ineinander verweben.
Cay selbst ist für mich eine Figur voller Brüche. Sie wirkt verletzlich, manchmal fast verloren, und doch steckt in ihr eine Hartnäckigkeit, die sie immer weiter antreibt. Ich mochte, dass sie nicht als klassische Heldin angelegt ist, sondern als jemand, der mit sich selbst ringt und Fehler macht. Gerade das macht sie greifbar. Léon hingegen bringt eine andere Energie in die Geschichte. Er wirkt ruhiger, kontrollierter, fast wie ein Gegenpol zu Cay. Gleichzeitig bleibt er nicht eindimensional, denn bei ihm habe ich das Gefühl gehabt, dass mehr unter der Oberfläche liegt, als er zunächst zeigt.
Mir hat die Art, wie der Roman mit Erinnerung und Verantwortung umgeht, gut gefallen. Die historische Tragödie wird nicht nur als Hintergrund genutzt, sondern zieht sich wie ein leiser, bedrückender Schatten durch die gesamte Handlung. Dabei stellt sich immer wieder die Frage, wie viel von der Vergangenheit wirklich vergangen ist. Am Ende habe ich das Buch mit einem nachdenklichen Gefühl geschlossen. Es ist keine leichte Lektüre, aber eine, die lange nachhallt. ⭐⭐⭐⭐⭐