Atmosphärisch und bildgewaltig

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karolina_hruskova Avatar

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»Unter Wasser« hat bei mir ganz besonders ein Gefühl hinterlassen: eine leise, durchgehende Melancholie, die sich wie ein grauer Schleier über die gesamte Geschichte legt. Es ist kein lauter Roman, sondern einer, der eher durch seine Ruhe und Bildsprache wirkt.

Die Geschichte bewegt sich zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Während Marissa in New York im Jetzt trauert, lernt man sie und ihre beste Freundin Arielle in Thailand in Rückblicken kennen. Dadurch entsteht von Anfang an eine unterschwellige Spannung - man weiß, dass etwas passieren wird, aber wartet ständig auf den Moment, in dem es soweit ist.
Der Roman wird aus der Kombination der anhaltenden, tiefen Trauer und der sich aufbauenden Spannung getragen und funktioniert so sehr gut.

Besonders die Atmosphäre hat mich gepackt. Sie ist sehr dicht, ruhig trotz der Stürme um Marissa herum, fast schon bedrückend. Sprachlich hat sich Tara Menon darauf abgestimmt und schreibt ungeschminkt, nüchtern, stellenweise sehr direkt mit Fokus nur auf den wichtigen Informationen. Gerahmt wird die Erzählung dennoch in wunderschöne Bilder der thailändischen (Meeres-)Landschaft, die von malerischen weißen Stränden und einer vielfältigen Meereswelt handeln.

Allerdings lag es wahrscheinlich auch an der nüchternen Art, dass ich nie eine gewisse Distanz zu Marissa überwinden konnte. Ich hatte oft das Gefühl, sie eher aus einer Vogelperspektive zu beobachten. Ihre Gedankenwelt war sehr tief, aber trotzdem hat mir der Zugang zu Marissa gefehlt. Ganz abgesehen davon sind mir im Roman hin und wieder kleine Tippfehler aufgefallen.

Zurück bleiben dieses Gefühl von Trauer und die Bilder aus Thailand – die wunderschön beschriebene Meereswelt, aber auch die Flutkatastrophe von 2004. Ein unaufgeregter, aber dennoch spannender Roman, der eine ganz eigene Schwere mit sich bringt und vor allem durch seine Atmosphäre noch lange nachhallt.