Bewegende Geschichte, nüchterner Schreibstil

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bonnie.bukowski Avatar

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In Tara Menons Roman „Unter Wasser“ geht es um die herzzerreißende Geschichte einer Frau, die ihre beste Freundin Arielle bei der Tsunami-Katastrophe in Phuket im Jahre 2004 verliert. Dabei springt die Handlung zwischen zwei Zeitsträngen: Einerseits verfolgen wir die Protagonistin in ihrem tropischen Alltag in Phuket kurz vor dem Tsunami und andererseits sehen wir sie acht Jahre später, kurz bevor der Hurricane Sandy in New York tobt. Während die Protagonistin das Meer im Jahre 2004 hautnah erlebt, sieht sie es 2008 nur mehr aus der Ferne, nämlich in Form von Werbetexten für Urlaubsparadiese, die sie beruflich schreibt.

Besonders gerne mochte ich die detaillierte Darstellung von Phuket und der Welt des Meeres. Ich verreise selbst sehr gerne nach Thailand und hatte bei ihren Beschreibungen sofort das türkisblaue Meer und die Longtail-Boote vor Augen. Hin und wieder bekommen wir auch Infodumps über ein Tier oder ein geschichtliches Ereignis, was ich sehr interessant gefunden habe. Dies zeigt auch, wie viel Mühe sich die Autorin bei der Recherche gegeben hat.
Leider ist der Schreibstil für meinen Geschmack aber viel zu nüchtern und distanziert, was es mir schwer machte, die enge Freundschaft zu Arielle und der Tiefe der Trauer nach ihrem Verlust wirklich nachzuvollziehen. Ich weiß leider nicht, ob es am Stil der Autorin oder der Übersetzung liegt, da ich das Original nicht kenne. Mit der Übersetzung hatte ich generell ein paar Probleme, da manche Passagen plötzlich sehr förmlich gestaltet wurden, was wiederum nicht zum Setting passt. Manche Stellen sind aber auch schwierig zu übersetzen – beispielsweise die Mengenbegriffe für Tiere wie „school of fish“, die es im Deutschen nicht gibt.

Was ich leider noch anmerken muss: Der Lesefluss wird an einigen Stellen durch Tippfehler oder offensichtliche Fehler im Lektorat gestört.
Beispielsweise fehlt bei dem einen Wort einmal ein Buchstabe und bei dem anderen Satz wird der falsche Artikel genommen, was ihn ungrammatisch macht. Besonders irritierend war aber, dass einige Thailand-Kapitel fälschlich auf den 25. November datiert werden, obwohl die Handlung klar am 25. Dezember, nämlich einen Tag vor dem Tsunami, spielt. Der Großteil der Thailand-Kapitel findet auch an diesem Tag statt, aber über einzelnen steht plötzlich „November“ anstelle von „Dezember“. Solche Unstimmigkeiten wirken nachlässig und lenken unnötig ab.

Abschließend lässt sich sagen, dass „Unter Wasser“ ein Buch mit viel Potential ist. Die Geschichte ist bewegend und gut recherchiert, jedoch bleibt der Roman hinter seinen Möglichkeiten zurück, vor allem wegen des distanzierten Schreibstils und der übersetzerischen Schwächen.