Ein stürmisches Debüt

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
stephie Avatar

Von

Ein beklemmender und herzzerreißender Roman, der wie ein Sturm ruhig beginnt und nach und nach laut und ausschweifend wird.

Ich liebe Romane, die mehrere Zeitspannen beleuchten. Unter Wasser zeigt uns das Leben von Marissa, die nach dem Tod ihrer Mutter mit ihrem Vater nach Thailand gezogen ist, wo er als Meeresbiologe forscht. Es ist 2004 und kurz vor dem tragischen Tsunami, der ihre beste Freundin Arielle mit in den Tod reißen wird. Besonders tragisch, da wir wissen das es passieren wird, aber nicht wie genau. In der anderen Zeitspanne sind wir mit Marissa in New York in 2012 - kurz vor dem Hurrikan Sandy. Sie führt ein ganz anderes Leben, als sie es in der thailändischen Naturforschung getan hat. Sie lebt allein, in einem Beruf als Texterin, der sie nicht erfüllt und abseits von ihrem Vater. Was sie aber immer begleitet, ist der schwere Verlust ihrer besten Freundin.

Es gibt recht wenige Dialoge - wir erfahren Marissas Sicht der Dinge durch viele Beobachtungen und Gedanken. Spannend fand ich, wie sie die Menschen in New York wie Tiere in freier Wildbahn beschreibt.

Der Roman behandelt Themen, wie Verlust, Trauer, Freundschaft, Erinnerungen und die Gewalt der Natur. Mir hat gefallen, wie Tara Menon die Problematik von Mensch vs Natur dargestellt hat. Sie beleuchtet, welche Auswirkungen Naturkatastrophen auf uns als Menschen haben können - wie gebrochen Marissa nach dem Tsunami ist.
Außerdem hat sie auf beeindruckende und tiefsinnige Weise über Erinnerungen, Verlust und Freundschaft geschrieben. Vor allem, was es heißt, um einen geliebten Menschen zu trauern, der "nur" die beste Freundin ist. Beim Lesen hatte ich die gesamte Zeit ein recht beklemmendes Gefühl, weil die Handlungen sich immer näher zum Zeitpunkt des Tsunamis zuspitzte. Man verspürt richtiggehend das Gefühl von der „Ruhe vor dem Sturm“.

"Die Angst der Hunde, das Schweigen der Vögel. Der Sturm kommt wirklich hierher."

Warum ich 4 von 5 Sternen gebe: ich konnte das Buch für ein paar Tage aus der Hand legen und hatte nicht das wahnsinnige Bedürfnis, wissen zu müssen, wie es weitergeht. Vor allem die erste Hälfte hat mich noch nicht so richtig in den Bann gezogen, weil alles eher langsam voran ging. Die zweite Hälfte macht dies jedoch mehr als wett. Ich habe beim Lesen sehr viele spannende Zitate herausgeschrieben.