gewaltig
Der Roman ist gewaltig – und das in mehrfacher Hinsicht: Das Cover finde ich ästhetisch und gewaltig schön, die Ausdrucksweise ist naturverbunden, detailliert und sprachgewaltig und zudem untermauert durch Metaphern und einer starken Symbolik. Die Grundstimmung ist geprägt durch Trauer und Verlust, zwischenzeitlich kommen aber auch kleine Lichtblicke durch die Beschreibung der wunderschönen Naturphänomene durch. Als Leser*in sollte man sich für den Roman Zeit nehmen, denn man kann nicht schnell durch die Seiten rauschen, man muss sich emotional auf den Zustand und die jeweilige Situation einlassen und hat dann ein äußerst intensives Leseerlebnis, auch wenn es an manchen Stellen emotional schwierig wird. Marissa vermisst Arielle immer noch gleich stark wie am ersten Tag, manchmal schwelgt sie in schönen Erinnerungen, manchmal überwiegt die Trauer und manchmal ist sie einfach nur wütend. Sie wird auch damit konfrontiert, wie lange Trauer „üblicherweise“ dauern darf, vor allem, wenn es sich nicht um Familienangehörige, sondern um Freunde handelt, diesen Aspekt finde ich spannend aufgegriffen. Marissa versucht weiterhin zu überleben, betäubt ihren Kummer und ihren Schmerz mit extrascharfer Chillie und lässt niemanden mehr nahe an sich heran, aus Verlustangst, daher hat sie hauptsächlich nur One-Night-Stands. Auch nach all den Jahren spürt und sieht sie Arielle immer noch an ihrer Seite und macht sich Gedanken, was sie in der jeweiligen Situation sagen oder machen würde. Echte Trauer hört niemals auf und es ist auch immer wichtig, dass man sich an die schönen und glücklichen Zeiten zusammen erinnert. Der Roman ist emotional herausfordernd und ich kann ihn empfehlen, wenn man sich selbst in einer psychisch stabilen Lebensphase befindet.