Kommt wie ein Tsunami daher: erst leise und dann mit einer Wucht

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mrs.beee Avatar

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„Unter Wasser“ von Tara Menon kommt wie ein Tsunami daher, zuerst leise, fast unauffällig, bevor die Geschichte mit gewaltiger emotionaler Wucht über einen hereinbricht.

Im Fokus steht die Ich-Erzählerin Marissa, die auf ihre Kindheit und Jugend in Thailand zurückblickt. Besonders prägend war ihre enge Freundschaft zu Arielle, bis diese 2004 beim verheerenden Tsunami in Phuket ums Leben kam. Von dort an ist nichts mehr, wie es war. Nach dem Unglück zieht Marissa nach New York, doch auch dort gelingt es ihr nicht, der Trauer zu entkommen. Überall wird sie an Arielle erinnert und der Verlust bleibt allgegenwärtig. Sie vermisst sie schmerzhaft.

Sehr eindrücklich ist, wie stark das Motiv des „Unter-Wasser-Seins“ durch die gesamte Erzählung getragen wird. Marissa fühlt sich seit Arielles Tod, als würde sie unter einer schweren, undurchdringlichen Wasseroberfläche leben: gedämpft, isoliert, nicht ganz Teil der Welt um sie herum.

Besonders gelungen ist die bildhafte Sprache. Die Naturbeschreibungen sind intensiv und ausdrucksstark. Farben sind nie einfach nur „blau“, sondern erscheinen als Azur, Türkis oder in unzähligen Schattierungen dazwischen. Dadurch entsteht ein sehr lebendiges, fast sinnliches Naturerleben. Die Kinder in Thailand wachsen mit dieser intensiven Umwelt auf, mit Meerestieren, Korallen und dem Tauchen, etwa beim Beobachten von Mantarochen. Der Leser bekommt ein starkes Gefühl für die Schönheit und Kraft dieser Welt.

Auch die besondere Beziehung zwischen Mensch und Natur zieht sich als zentrales Thema durch den Roman. Selbst im späteren New York bleibt dieses bewusste Wahrnehmen erhalten, wie zum Beispiel im Central Park, wo selbst Mönchssittiche kleine Brücken zur Vergangenheit schlagen. Natur ist hier nicht Kulisse, sondern etwas Lebendiges, fast Prägendes für Identität und Erinnerung.

Beeindruckend ist zudem die Darstellung der Tsunamikatastrophe selbst: die unheimliche Stille vor dem Ereignis, das Verhalten der Tiere, die die Gefahr offenbar früher wahrnahmen und schließlich die erschütternden Szenen danach, etwa beim Bergen der Toten.

Ein klitzekleiner Kritikpunkt war für mich der langsame Erzählbeginn. Die Geschichte baut sich nur langsam auf und hat gerade am Anfang ein paar Längen.

Trotzdem überwiegt klar der positive Eindruck: Eine sprachlich starke und emotional bewegende Geschichte über Freundschaft, Verlust und die Kraft der Natur.

Klare Leseempfehlung.