Unfassbar schön!

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söphken Avatar

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„Unter Wasser“ hat mich bis ins Innerste berührt. Dieses Buch hat nicht nur eine Geschichte erzählt, es hat mir völlig neue Welten eröffnet unter der Wasseroberfläche, in der Erinnerung und in mir selbst. Vor allem meinen Kindheitstraum Meeresbiologin zu werden. Es hat viel Fernweh ausgelöst.

Als ich las, wie Marissa in Thailand mit Arielle aufwächst, als Mädchen, die gemeinsam die Riffe, die Wälder und die Strände erkunden, spürte ich sofort, was das für Marissa bedeutet, dort zu Hause zu sein. Die beiden lernen, zu tauchen, den Atem lange anzuhalten, sich mit den Mantarochen zu bewegen. Es ist eine Freundschaft zwischen zwei Mädchen, die sich in einer Welt von Wasser und Wundern verlieren können.

Doch diese Freundschaft wird brutal zerbrochen: durch eine Naturkatastrophe, die Arielle nie überlebt. Marissa bleibt in der Tiefe stehen, zwischen Verlust, Schuld und einer Natur, die mal schön und wild, mal zerstörerisch sein kann. Ich konnte beim Lesen nicht nur mitfühlen, sondern auch spüren, wie sehr Marissa als Frau in einer Welt aufwächst, die sich ständig verändert, die nie sicher ist und doch immer wieder nach Hoffnung und Widerstand ruft.

Aus feministischer Sicht hat mich besonders beeindruckt, wie Marissa mit Trauma, Erinnerung und Verantwortung umgeht, ohne zu weich dargestellt zu werden. Sie ist keine passive Figur, die sich in ihr Schicksal ergibt, sondern eine Frau, die gelernt hat, in der Tiefe zu überleben, die sich behauptet, auch wenn alles um sie herum auseinanderfällt. Ihre Geschichte ist für mich eine Art Akt des Überlebens – und gleichzeitig auch ein Zeichen dafür, dass Frauen in der Natur, in der Politik, in der Gesellschaft immer wieder neue Wege finden, sich zu behaupten, auch wenn sie sich selbst verloren fühlen.

„Unter Wasser“ ist für mich ein Roman, der mich emotional, intellektuell und auf ganz persönlicher Ebene mitgenommen hat. Es ist ein Buch, das nicht nur Kinderfreundschaft, Verlust und Naturerlebnis erzählt, sondern auch eine Geschichte darüber, wie sich eine Frau in einer Welt, die oft fremd und unheimlich ist, neu findet. Ich komme nicht mehr an diesem Buch vorbei, ohne zu wissen, dass es mich verändert hat. Ein echtes, feministisch geprägtes, hautnahes Highlight, das ich mit großer Leidenschaft weiterempfehlen würde.