Zwischen Schönheit und Zerstörung
Es gibt diese Bücher, die einen eiskalt erwischen. Weil sie eindringlich und intensiv sind, weil zwischen den Buchstaben so viel Kraft steckt, weil sie vielleicht sogar subtil sind und alles Ungesagte die Tragik nur noch vergrößert. All das traf auf „Unter Wasser“ zu. Ein Buch, das auf eine riesen Katastrophe zusteuert, unvermeidlich, sich aber zurücknimmt und versucht, alles zu unterdrücken, was das (Gefühls-) Chaos noch viel größer werden lässt. Und zwar sehr erfolgreich.
Ein starker Kniff ist, den Blick des Lesers immer wieder auf scheinbar nichtige, kleine Details zu lenken, vielleicht um so dem Schmerz auszuweichen, vielleicht zu verdrängen, wie viel unbändige Trauer in der Erzählerin Marissa steckt, wie übermächtig ihr Trauma ist. Die Autorin schafft es ganz großartig, zwischen Schönheit und Zerstörung zu wechseln und stellt die Frage, ob beides koexistieren kann/darf/muss.
Die Schönheit zeigt sich zum einen durch eine unbändige Liebe zum Meer und seinen Bewohnern, man wird Mantarochen nie wieder nicht atemberaubend und faszinierend finden können. Und zum anderen zeigt sie sich durch eine intensive, innige Freundschaft zwischen Marissa und Arielle, erst zwei Mädchen, später zwei junge Erwachsene, die einander so nah und familiär sind.
Es ist eine tiefe Art der Liebe, deren Ansehen in unserer Gesellschaft eher die hinteren Ränge besetzt:
„In unserer Sprache gibt es keinen Platz für die Trauer um Freundschaft. Er wird vollkommen von der Liebe zu und von dem Verlust von Geliebten in Beschlag genommen.“ (S. 34)
Doch dieser Platz wird gebraucht, denn das Auseinandergehen einer Freundschaft, wie auch immer es aussehen mag, kann ebenso tiefe Wunden hinterlassen und das Leben auf den Kopf stellen.
Das Buch wird mit einem Traum eingeleitet, in dem die Protagonistin in einem Restaurant sitzt und alle anwesenden Gäste plötzlich feststellen müssen, dass sie Körperteile essen, ein jeder spuckt dann ein Stück der besten Freundin auf den Teller. Eine Obsession mit einem Menschen, der nicht mehr da ist, dessen Abwesenheit das ganze Denken und Fühlen vereinnahmt, das ist die Trauer. Und so schmerzhaft es sich hier liest, so befreiend fühlt es sich an, wenn diese Trauer sich Bahn bricht und die Protagonistin sich selbst ein Stück weit zurückgewinnt.
Anfänglich wirkt alles stringent chronologisch, zwei Zeitebenen, auf denen erzählt wird, damals und heute. Doch je mehr wir Marissa folgen, desto mehr wird mit dieser Chronologie gebrochen, Zeiten vermischen sich und damals wird zu heute, wird zu jetzt, wird zu immer. Und beides muss gemeinsam lernen zu existieren; das Leben und der Tod; die Schönheit und das Chaos, das Liebe und die Trauer.
Ein ganz großartiges Buch!
Ein starker Kniff ist, den Blick des Lesers immer wieder auf scheinbar nichtige, kleine Details zu lenken, vielleicht um so dem Schmerz auszuweichen, vielleicht zu verdrängen, wie viel unbändige Trauer in der Erzählerin Marissa steckt, wie übermächtig ihr Trauma ist. Die Autorin schafft es ganz großartig, zwischen Schönheit und Zerstörung zu wechseln und stellt die Frage, ob beides koexistieren kann/darf/muss.
Die Schönheit zeigt sich zum einen durch eine unbändige Liebe zum Meer und seinen Bewohnern, man wird Mantarochen nie wieder nicht atemberaubend und faszinierend finden können. Und zum anderen zeigt sie sich durch eine intensive, innige Freundschaft zwischen Marissa und Arielle, erst zwei Mädchen, später zwei junge Erwachsene, die einander so nah und familiär sind.
Es ist eine tiefe Art der Liebe, deren Ansehen in unserer Gesellschaft eher die hinteren Ränge besetzt:
„In unserer Sprache gibt es keinen Platz für die Trauer um Freundschaft. Er wird vollkommen von der Liebe zu und von dem Verlust von Geliebten in Beschlag genommen.“ (S. 34)
Doch dieser Platz wird gebraucht, denn das Auseinandergehen einer Freundschaft, wie auch immer es aussehen mag, kann ebenso tiefe Wunden hinterlassen und das Leben auf den Kopf stellen.
Das Buch wird mit einem Traum eingeleitet, in dem die Protagonistin in einem Restaurant sitzt und alle anwesenden Gäste plötzlich feststellen müssen, dass sie Körperteile essen, ein jeder spuckt dann ein Stück der besten Freundin auf den Teller. Eine Obsession mit einem Menschen, der nicht mehr da ist, dessen Abwesenheit das ganze Denken und Fühlen vereinnahmt, das ist die Trauer. Und so schmerzhaft es sich hier liest, so befreiend fühlt es sich an, wenn diese Trauer sich Bahn bricht und die Protagonistin sich selbst ein Stück weit zurückgewinnt.
Anfänglich wirkt alles stringent chronologisch, zwei Zeitebenen, auf denen erzählt wird, damals und heute. Doch je mehr wir Marissa folgen, desto mehr wird mit dieser Chronologie gebrochen, Zeiten vermischen sich und damals wird zu heute, wird zu jetzt, wird zu immer. Und beides muss gemeinsam lernen zu existieren; das Leben und der Tod; die Schönheit und das Chaos, das Liebe und die Trauer.
Ein ganz großartiges Buch!