Tolle düstere Romantasy, die viel mehr ist als nur Knistern - Highlight ❤️
„King of Ravens – Upon a Broken Throne“ von Clare Sager war für mich eine dieser Geschichten, bei denen ich nach dem Lesen erst einmal kurz durchatmen musste. Nicht, weil die Handlung ständig auf maximale Dramatik setzt, sondern weil sich die Geschichte nach und nach unter die Haut schiebt. Sie verbindet eine düstere Fantasywelt mit einer emotionalen Figurenentwicklung und einer Romance, die nicht von heute auf morgen funktioniert, sondern sich ihre Wirkung erst erarbeiten muss.
Clare Sager schreibt sehr atmosphärisch. Ihr Stil fühlt sich für mich gleichzeitig modern und märchenhaft an. Besonders gelungen fand ich, dass die düstere Grundstimmung nicht nur durch die Welt entsteht, sondern auch durch die Art, wie Beziehungen, Macht und Unsicherheit dargestellt werden. Die Autorin lässt ihren Figuren Raum, sich gegenseitig kennenzulernen und ihre Positionen zu hinterfragen. Dadurch entstehen viele Momente, in denen ich nicht einfach nur wissen wollte, was als Nächstes passiert, sondern auch verstehen wollte, warum eine Figur gerade so handelt. Dabei bleibt die Sprache angenehm zugänglich. Die Geschichte verliert sich für mich nicht in endlosen Erklärungen, sondern baut ihre Welt während des Geschehens auf. Gerade die Kombination aus dunkler Atmosphäre, Spannung, emotionalen Konflikten und romantischer Entwicklung macht den besonderen Reiz aus.
Im Zentrum steht Rhiannon, die mit ihrer eigenen Sterblichkeit und einer Situation konfrontiert ist, die sie nicht selbst gewählt hat. Durch Drystan, den König der Toten, wird sie aus ihrem bisherigen Leben gerissen und mit einer Welt konfrontiert, deren Regeln völlig anders funktionieren. Was mir an dieser Ausgangslage gefallen hat: Die Geschichte macht daraus nicht einfach eine romantische Fantasie über einen mächtigen Mann und eine junge Frau. Viel interessanter ist die Frage, was passiert, wenn jemand plötzlich in eine Welt gerät, in der andere über sein Leben bestimmen wollen – und sich diese Person weigert, das einfach hinzunehmen.
Rhiannon hat mir besonders gut gefallen, weil sie trotz ihrer schwierigen Situation nicht zu einer passiven Heldin wird. Natürlich gibt es Momente, in denen sie Angst hat, unsicher ist oder an ihre Grenzen kommt. Aber gerade das macht sie für mich glaubwürdig. Stärke bedeutet hier nicht, niemals Angst zu haben. Stärke bedeutet vielmehr, trotz dieser Angst weiterzumachen und sich nicht vollständig von anderen bestimmen zu lassen.
Drystan ist für mich eine Figur, die man nicht einfach in die Kategorie „Traummann“ stecken kann. Er ist mächtig, kontrolliert, teilweise einschüchternd und bringt seine eigenen Vorstellungen davon mit, wie Dinge zu funktionieren haben. Genau dadurch entsteht zwischen ihm und Rhiannon von Anfang an eine enorme Spannung. Was ich an ihm interessant fand, ist die Tatsache, dass man ihn nicht sofort vollständig durchschauen kann.
Die Beziehung zwischen Rhiannon und Drystan war für mich eines der größten Highlights. Denn hier wird nicht einfach behauptet: Sie sehen sich und sind füreinander bestimmt. Ganz im Gegenteil.
Zwischen ihnen stehen Misstrauen, unterschiedliche Interessen, Macht und jede Menge unausgesprochene Dinge.
Und genau daraus entsteht dieses Knistern.
Dabei fand ich besonders spannend, dass Rhiannon nicht einfach ihre Eigenständigkeit aufgibt, sobald Gefühle ins Spiel kommen.
Was mir ebenfalls gefallen hat, ist, dass die Geschichte nicht ausschließlich auf die Liebesgeschichte reduziert wird.
Rhiannons persönliche Situation ist der Ausgangspunkt, aber mit ihrem Eintritt in die neue Welt öffnen sich immer mehr weitere Ebenen. Es geht um Macht, Erwartungen, Geheimnisse, Zugehörigkeit und die Frage, welche Rolle Rhiannon in dieser Welt überhaupt einnehmen kann.
Besonders mochte ich dabei das Gefühl, dass nicht jede Information sofort einzuordnen ist.
Ich habe beim Lesen immer wieder überlegt:
Wem kann ich eigentlich vertrauen?
Welche Motive stecken wirklich hinter bestimmten Entscheidungen?
Und was würde ich selbst tun, wenn ich an Rhiannons Stelle wäre?
Genau solche Fragen haben mich an die Geschichte gebunden.
Das Buch beschäftigt sich für mich auch mit Fragen, die über die Romance hinausgehen: Wie viel Selbstbestimmung kann man bewahren, wenn andere Menschen oder Mächte über das eigene Leben entscheiden? Wann wird Vertrauen verdient? Und kann man jemanden wirklich kennenlernen, wenn man zunächst nur die Rolle sieht, die diese Person nach außen spielt? Dadurch blieb bei mir nach dem Lesen mehr zurück als nur die Erinnerung an ein paar romantische Szenen.
Sehr stark fand ich die Atmosphäre. Die Welt fühlt sich dunkel, geheimnisvoll und stellenweise beinahe märchenhaft an.
Ich würde „King of Ravens“ besonders denjenigen empfehlen, die gerne düstere Romantasy mit einer starken emotionalen Komponente lesen. Bitte achtet aber auf die Triggerwarnungen, da diese Geschichte düster und dunkel ist und einige heftige und schwierige Themen beinhaltet.
Ich habe Rhiannon gerne auf ihrem Weg begleitet. Ich mochte ihre Stärke, aber auch ihre Unsicherheiten. Ich fand Drystan faszinierend, gerade weil er nicht einfach durchschaubar ist. Und die Entwicklung zwischen den beiden hat mir deutlich besser gefallen als eine Liebesgeschichte, bei der nach drei Kapiteln sämtliche Konflikte verschwunden sind.
Clare Sager hat eine Geschichte geschaffen, die mich nicht nur wegen ihrer Romance überzeugen konnte. Besonders die Entwicklung von Rhiannon, die schwierige und faszinierende Persönlichkeit von Drystan, die düstere Atmosphäre und die zunehmende Spannung haben mich begeistert.
Die Romance ist für mich dabei das Herzstück – gerade weil sie nicht unkompliziert ist. Sie wächst aus Konflikten heraus und verändert gleichzeitig beide Figuren.
Ich mochte die Geschichte, weil sie mich mitfiebern, zweifeln, hoffen und manchmal auch verzweifeln ließ. Genau dieses emotionale Mitgenommenwerden wünsche ich mir von einer guten Romantasy.