Brachialer Romantasy-Einstieg mit Überdosis Pathos

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Bei dieser Leseprobe wird man direkt ohne Vorwarnung in ein emotionales Trümmerfeld geworfen. Julia Dippel fackelt hier nicht lange und zieht auf den ersten Seiten sofort alle dramatischen Register, die das Romantasy-Genre hergibt. Auf der Habenseite steht ganz klar das Tempo: Der Einstieg aus Velvets Sicht ist atmosphärisch finster und packend geraten. Das Erwachen in dieser blutgetränkten Hochsicherheits-Kulisse, das Gefühl der körperlichen Ohnmacht und die Erkenntnis, dass der eigene Dämonen-Untermieter Esha eine Göttin in einen Haufen Asche verwandelt hat, erzeugt einen echten, beklemmenden Sog. Auch der Einfall, moderne Götterfiguren wie Mr Million, Miss Link oder Mr Meaning im Pan Tower über Wohl und Wehe der Welt verhandeln zu lassen, hat als Urban-Fantasy-Szenario durchaus seinen Reiz.

Was mir beim Lesen allerdings gewaltig die Laune verhagelt, ist diese schier erdrückende Last aus toxischem Drama und Beziehungs-Altlasten. Die Zusammenfassung der Vorgeschichte liest sich wie eine Aneinanderreihung maximaler seelischer Verwüstungen, von magisch erzwungener Vergewaltigung über fatale Missverständnisse bis hin zu erfundenen Viren und versehentlichem Mord. Als dann Kashmere selbst die Szene betritt, kippt das Geschehen für meinen Geschmack zu sehr ins Klischeehafte: Er gibt den klassischen, übermächtigen Bad Boy, der vor Wut Tische ankohlt, sich im Designeranzug vor versammelter Götterriege aufbäumt und Millionenstrafen mit einem Achselzucken wegwischt.

Das ist mir schlichtweg eine Spur zu viel gequälter Schmerz, zu viel Teen-Angst im Göttergewand und eine Überdosis melodramatischer Pathos. Von der weiteren Geschichte erwarte ich ein hochemotionales, actionreiches Hin und Her zweier tief zerrissener Figuren, bei dem eingefleischte Fans sicher jede Seite verschlingen werden. Für mich persönlich ist dieses Beziehungsgeflecht aber so hoffnungslos verknotet und schwer verdaulich, dass mir der eigentliche Lesespaß auf der Strecke bleibt.