Der Horror fängt an, wenn du beginnst, dem Buch zu vertrauen.

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madame_f Avatar

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Wer bei „Verbrenn das Negativ“ heftigen Horror erwartet und befürchtet, sei zunächst beruhigt. Hier gibt es zunächst keine expliziten Schreckmomente, kein Blut, keine lauten Effekte. Der Horror dieses Buches beginnt leise und höflich. Fast unauffällig. Laura wird als Journalistin damit beauftragt, über ein Film-Remake zu schreiben. Keine leichte Aufgabe, da sie selbst als Kind im Original die Hauptdarstellerin war – und als eine der letzten noch lebt. Schreckliche Unfälle und Morde ereilten damals ihre Filmcrew und ließen das Gerücht von einem Fluch aufkommen, der über dem Film läge. Wird der Fluch auch auf das Remake übergehen?
Ich hatte jede Menge Spaß beim Lesen! Die etwas nostalgische Atmophäre, der rätselhafte Fluch, die klassische Whodunnit-Frage haben mich gefesselt. Dazu liebe ich es, wenn Horror psychologisch arbeitet: Zweifel schleichen sich ein, Wahrnehmungen geraten ins Wanken, und man merkt als Leser:in, dass man selbst Teil dieses Spiels geworden ist.
Besonders gelungen fand ich, wie das Buch mit Erwartungen umgeht. Es lässt sich zunächst gut konsumieren, beinahe leichtfüßig. Man fühlt sich sicher, geführt, unterhalten. Doch genau diese Sicherheit beginnt irgendwann zu bröckeln. Rückblickend wirken frühere Szenen plötzlich gewichtiger. Der Horror entsteht nicht nur durch das, was passiert, sondern durch das, was man am Ende plötzlich anders einordnet.
Highlight war für mich das Ende! Ohne zu spoilern fand ich es absolut befriedigend, weil es den Blick auf das Gelesene verschiebt und sich die Story damit quasi neu erzählt.
„Verbrenn das Negativ“ ist zwar ein Horrorbuch, das Angst einjagt und langanhaltende Unsicherheit pflanzt, aber auch sehr in seiner Welt bleibt. Kein Buch, was mich dazu bringt, dann nur noch mit Licht schlafen zu wollen. Quasi ein wohliger Grusel 😉
Dieses Buch ist perfekt für Horrorfreund:innen, die dem eigenen Denken nicht immer trauen wollen. Für alle, die weniger an äußeren Bedrohungen interessiert sind als an inneren Verschiebungen. Wer es mag, wenn sich Gewissheiten leise auflösen und Bedeutungen nachträglich kippen, wird sich gut aufgehoben fühlen.