Horror-Hommage mit Längen

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sidis-bib Avatar

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Mit „Verbrenn das Negativ“ greift Josh Winning typische Horrorfilm-Elemente auf und vermischt sie zu einem Thriller mit echtem Film-Feeling.

Um was geht es?
Laura Warren ist auf dem Weg nach LA. Sie ist bekannte Filmjournalistin für das Magazin Zeppelin und soll einen Artikel über die Horrorserie „It Feeds“ schreiben. Ein Remake des alten Horrorfilms „The Guesthouse“, der bald 30-jähriges feiert und als verflucht gilt. Sind damals doch acht am Film beteiligte Personen unter teils mysteriösen Umständen verstorben. Was vermeintlich niemand weiß: Laura war damals als Kind Hauptdarstellerin in „The Guesthouse“ und ist mit ihrer Familie nach den Dreharbeiten förmlich aus LA geflohen. Neue Identität, neues Leben. Kann sie das Trauma von damals verarbeiten oder holt sie die Vergangenheit wieder ein? Dann geschieht erneut ein Todesfall …

„Verbrenn das Negativ“ ist eine Hommage an zahlreiche Horrorfilme und die Filmindustrie in LA. Es liest sich flüssig und leicht, ruft Bilder im Kopf hervor, die die Story für den Leser lebhaft machen und schafft es auch schnell, ein mulmiges Gefühl beim Leser hervorzurufen, dem man auf den Grund gehen möchte. Mit Laura Warren haben wir eine intelligente Protagonistin, die aber eine schwere Last mit sich herumträgt. Sie scheint vom damaligen Dreh regelrecht traumatisiert zu sein. Doch woher stammt das Trauma? Viele Faktoren scheinen hier eine Rolle zu spielen, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte. Aber gerade das macht den Charakter von Laura so interessant, ihre Reaktionen und Interaktionen mit den Nebencharakteren – ihrer Schwester Amy, dem Medium Beverly, dem Produzenten Todd Terror, ihrem Ex-Freund Mike, ihrer Mutter etc. – so spannend. Was mir zudem sehr gut gefallen hat, war, dass Josh Winning sich auch einigen Schattenseiten der Filmindustrie angenommen hat: der Aberglaube, die „Film-Moms“, der schöne Schein. All das wurde geschickt in die Story mit eingewoben, ohne zu sehr in die Haupthandlung einzugreifen.

Leider weist das Buch vor allem im Mittelteil einige Längen auf. Diese entstehen nicht dadurch, dass der Autor teils bekannte Horrormotive aufgreift. Eingefleischte Horrorfans kennen das. Vielmehr wiederholt sich die Story immer wieder in leicht abgewandelter Form und die daraus resultierenden persönlichen Entwicklungen und zu gewinnende Erkenntnisse sind für den Leser minimal oder schon aus früheren Buchpassagen bekannt. Damit konnte der Spannungsbogen in meinen Augen nicht aufrechterhalten werden.

Was mir zudem persönlich nicht gefallen hat, war das bewusst gewählte (fast) offene Ende. Man kann es unterschiedlich interpretieren, was sicher vom Autor so gewollt war, und ich habe meine Lösung gefunden. Trotz allem bin ich grundsätzlich kein Fan von offenen Enden, sondern möchte eine klare Auflösung. Diese kriegt man oft auch in Horrorfilmen, so abwegig sie manchmal ist. In „Verbrenn das Negativ“ bleibt aber in meinen Augen zu viel Raum für Spekulationen.

Fazit:
„Verbrenn das Negativ“ ist solide Thriller-Unterhaltung mit einigen Horror-Elementen. In meinen Augen ist es ein nice-to-read – ganz nett zu lesen und mal ein bißchen was anderes, aber kein Pageturner. Man verbringt angenehme Stunden, aber es ist kein Buch, dass einen bleibenden Eindruck hinterlässt oder einen im Nachgang weiter beschäftigt. Da es sich keinem Genre so richtig zuordnen lässt, ist eine Empfehlung an eine bestimmte Lesergruppe schwierig. Am besten reinlesen und sich selbst ein Bild machen 😊 Deswegen für mich solide drei Sterne.