Horrorfilm in Buchform

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majca_ Avatar

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"Jeder weiß, dass Hollywood Monster erschafft. Wenn man lange genug in Hollywood bleibt, sieht man überall Monster."

Das Buch liest sich wie ein klassischer Horrorfilm, der direkt in Romanform übertragen wurde. Ob es einem gefällt, hängt stark davon ab, ob man genau das sucht.

Ich persönlich bin mit anderen Erwartungen an den Roman herangegangen, weshalb mich das Verhalten einer klischeehaften Horrorfilm-Protagonistin zunehmend frustriert hat: unvernünftige, absurde und kontraproduktiv Entscheidungen, die ganz offensichtlich nur die Handlung voran treiben sollten, statt dem gesunden Menschenverstand folgen. Man kann sich drauf verlassen, das die Protagonistin konsequent gegen ihre eigenen Interessen entscheidet, nur um jedes Genreklischee mitzunehmen. Zudem ist kaum eine Figur wirklich sympathisch, und der Roman verlässt sich stark auf „tell, don’t show“. Positiv hervorzuheben ist jedoch, dass sich das Buch schnell und leicht liest und die Found-Footage-artigen Einschübe durchaus Spaß machen.

Mein größter Kritikpunkt am Mystery-Plot ist der übernatürliche Aspekt. Allzu oft dient er als bequeme Abkürzung für schnelle Schockmomente und erzählerische Auswege, und das trifft auch hier zu.

Thematisch behandelt der Roman Fragen wie die Ausbeutung von Kinderdarsteller:innen, die zerstörerische Verlockung von Ruhm, Mittäterschaft im Showbusiness sowie die Last durch Schuld und Traumata. Das sind an sich interessante Motive, was jedoch zu der unglücklichen Situation führt, dass es auf der einen Seite nicht tief genug ausgearbeitet ist, um wirklich zum Nachdenken anzuregen, zugleich aber zu präsent ist, um sich konsequent als campiger Slasher zu verstehen.

Die eigentliche Star des Buches ist das Setting. Die verschiedenen Schauplätze und Set Pieces sind visuell prägnant gestaltet und lassen sich mühelos als authentisches Horrorfilmerlebnis vorstellen. Man merkt deutlich, dass der Autor ein Fan des Genres ist. Viele Szenen, insbesondere das Spukhaus in der riesigen Studiohalle, würden auf der Leinwand sehr gut funktionieren.

Für mich persönlich war das Buch nichts. Leser:innen jedoch, die temporeichen, filmisch erzählten Horror mit übernatürlichen Twists mögen, dürften daran Gefallen haben, vor allem, wenn sie den Roman eher als cineastisches Erlebnis lesen.