Eine emotionale Achterbahnfahrt

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Die Anwältin Ana ist verheiratet und Mutter zweier Kinder – außerdem hat sie eine Affäre mit Connor, einem Klienten. Gleich zu Beginn des Romans stirbt Connor und Ana erhält die Hiobsbotschaft ausgerechnet von seiner Ehefrau Rebecca. Anas Welt bricht zusammen, doch sie kann mit niemandem darüber reden. Als Testamentsvollstreckerin sucht sie daraufhin immer mehr die Nähe zu Rebecca. Ihre Trauer wird zur Besessenheit.

"Unsere gemeinsame Zeit ging immer vorbei. Uns gab es immer nur flüchtig. Alles Wichtige geschah hinter verschlossenen Türen. Nichts drang heraus." (Zitat Seite 239)

Auf gut 260 Seiten erzählt Sarah Crossan von einer heimlichen Liebe und einer Trauer, die Ana nicht nach außen tragen kann, weil niemand von ihrer Affäre mit Connor wusste. Niemand, bis auf sein bester Freund Mark, mit dem sich Ana immer wieder treffen will, um die Trauer zu teilen. Doch Mark will, dass Ana verschwindet, erst recht, als sich Ana nach und nach auch in das Leben von Connors Witwe Rebecca einschleicht.

In Rückblenden erfahren wir, wie sich Ana und Connor kennen- und liebengelernt haben. Allerdings bleibt alles recht subjektiv, da wir Anas Blick auf diese Liebe folgen. Ana ist bereit, für Connor ihren Ehemann zu verlassen. Ihr merkwürdiges Verhalten fällt zu Hause auf. Es gibt mehrfach Streit, Ana sucht sogar nach einer gemeinsamen Wohnung. Connors Gedanken bleiben hingegen im Verborgenen und seine Worte wirken auf mich wie Zugeständnisse, die er lediglich macht, damit Ana nicht für immer geht. Immer wieder vertröstet er sie, was eine gemeinsame Zukunft angeht, lässt sie sogar in einer Krisensituation im Stich. Mehr als einmal trennen sie sich, nur um wieder zusammen zu kommen.

"Ich stimmte dir zu, dass es irgendwann enden musste, fühlte mich erleichtert, dass wir nicht aufgeflogen warn. Die Konsequenzen waren ein paar verheizte Herzen, nicht mehr." (Zitat Seite 97)

Ana ist eine sehr widersprüchliche Protagonistin. Sie ist so in ihrer Trauer gefangen, die sie ganz alleine durchstehen muss, dass ich Mitgefühl empfinde. Aber wie sie sich in das Leben der Witwe schleicht, ist grenzwertig. Es wirkt auf mich, als ob Ana es Rebecca nicht direkt sagen will, dass sie eine Affäre mit ihrem toten Ehemann hatte, aber auch nicht will, dass Rebecca es nicht weiß. So stellt Ana am Ende auch selbst fest, dass sie „böse“ geworden ist.

"Es ist die Pause nach einer einfachen Frage, die den Lügner entlarvt." (Zitat Seite 227)

Erneut hat Sarah Crossan zu dem Stilmittel des Romans in Versform gegriffen, was die Geschichte schnell vorantreibt. Kein Wort, das durch Maria Hummitzsch übersetzt wurde, ist zu viel.

Emotional bedient Verheizte Herzen eine große Brandbreite, Wut und Hass wechseln sich ab mit Verzweiflung und Trauer. Die letzten Seiten haben mir die Tränen in die Augen getrieben. Besonders das Ende ist sehr ergreifend. Erstaunlich, wie großherzig einige Menschen sind.

Fazit
Eine Frau trauert um ihren heimlichen Geliebten und versinkt in Schmerz, Wut und Besessenheit. "Verheizte Herzen" ist ein Roman, der durch seinen besonderen Stil besticht und ein ergreifendes Ende bereit hält.